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Maria Grazia Cucinotta: "Die Italiener sollten leistungsorientierter werden"

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Maria Grazia Cucinotta: "Die Italiener sollten leistungsorientierter werden"

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International bekannt wurde die italienische Schauspielerin Maria Grazia Cucinotta 1994 durch den Film “Il Postino” zu deutsch “Der Postmann”. Sie spielte in Filmen, amerikanischen Fernsehserien und sie war das Bondgirl in dem 007-Streifen “Die Welt ist nicht genug”.

Die gebürtige Sizilianerin lebt seit acht Jahren in Los Angeles. Das ehemalige Model arbeitet als Filmproduzentin und Regisseurin. In Rom sprachen wir mit der Schauspielerin über ihre Sicht auf Italien angesichts der bevorstehenden Wahlen.

euronews-Reporterin Eri Garuti:
“Maria Grazia Cucinotta, Ihr Name ist bekannt und wird oft mit der Schönheit Italiens in Verbindung gebracht, aber identifizieren Sie sich wirklich mit Ihrem Land?”

Maria Grazia Cucinotta:
“Diese Verantwortung spürte ich das erste Mal, als ich mit dem Film “Der Postmann” die Oscarverleihung besuchte. Da war ich nicht nur stolz, sondern auch glücklich Italienerin zu sein, weil ich merkte, dass die Welt alles liebte, was ‘Made in Italy” ist, das Land, die italienischen Frauen, unsere Kultur und Poesie – all das verkörperte ich für die Amerikaner.”

euronews:
“Gibt es etwas, was Sie in Italien stört?”

Maria Grazia Cucinotta:
“Was mich aufregt, ist, dass die Italiener kein gutes Bild abgeben, denn wenn ich im Ausland bin, höre ich viel Schlechtes über mein Land. In den letzten 15-16 Jahren wurde in den Zeitungen nur negativ über Italien berichtet: Um einen Mann niederzumachen, haben sie auf das ganze Land gezielt. Die Italiener sind nicht alle verantwortlich, im Gegenteil. Viele stehen früh auf und arbeiten hart, sie tun alles um das Bild von Italien, dieses “Made in Italy” zu fördern.”

euronews:
“Sprechen wir über die Unterschiede zwischen Italien und den Vereinigten Staaten in puncto Arbeitsbedingungen. Sie leben und arbeiten seit acht Jahren dort …..”

Maria Grazia Cucinotta:
“Es gibt große Unterschiede. Dort kommen wirklich die an die Spitze, die es verdienen. Das ist sehr schön, davon träumen wir alle: Für das belohnt zu werden, was wir tun. Wenn das nicht passiert, sind wir natürlich enttäuscht. Die Italiener sollten viel leistungsorientierter werden und lernen, zusammenzuarbeiten.”

euronews:
“Lassen Sie uns von Ihrer Vergangenheit sprechen:
Sie waren ein Model. Glauben Sie, die Mode könnte das Image des Landes verbessern und die italienische Wirtschaft ankurbeln?”

Maria Grazia Cucinotta:
“Die Mode ist Italiens bester Botschafter. Wir sind auf der ganzen Welt für unseren Stil und das “Made in Italy” bekannt.”

euronews:
“Und welche Rolle spielt der italienische Film?”

Maria Grazia Cucinotta:
“Der italienische Film spielte in der Vergangenheit eine wichtige Rolle. Die ganze Welt bezog sich auf die großen italienischen Regisseure. Leider verkaufen sich italienische Filme nicht gut. Früher waren unsere Filme dank unserer Stars weltweit bekannt, heute passiert das eher selten. Ich hatte Glück, denn mein Film “Der Postmann” war erfolgreich und macht mich bekannt. Aber die meisten unserer Filme werden international nicht gewürdigt, obwohl sie gut sind. Das ist nicht nur schlecht für die Schauspieler, sondern auch für die italienische Kultur. Ein erfolgreicher Film ist auch ein Aushängeschild für sein Land, er zieht die Menschen an, unterstützt den Tourismus und hilft Italiens Kultur und das Land besser kennenzulernen.”

euronews:
“Sie sind verheiratet und Mutter einer Tochter, es ist bekannt, dass ihnen die Familie sehr wichtig ist. Gilt für Sie nur der traditionelle Familienbegriff oder treten sie auch für die gleichgeschlechtliche Ehe und das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ein?”

Maria Grazia Cucinotta:
“Seit 12-15 Jahren bin ich Patin für Aktionen gegen Homophobie. Ich glaube, dass, wenn es um wahre Liebe geht, jeder Mensch die Wahl haben sollte. Daher unterstütze ich homosexuelle Paare, die sich lieben und ein Kind adoptieren wollen.”

euronews:
“Ist Italien in Bezug auf sein Rechtswesen und dem Kampf gegen Diskriminierung auf einem guten Weg, oder sollte es noch mehr dafür tun?”

Maria Grazia Cucinotta:
“Natürlich gibt es immer noch etwas zu tun. Vorurteile verdrängen oft den gesunden Menschenverstand. Wir müssen den Nebel aus den Köpfen der Menschen vertreiben und ihnen begreiflich machen, dass jeder das Recht hat, zu leben, wie er will, solange er niemandem anderen schadet. Wenn zwei Erwachsene sich dazu entscheiden, sich zu lieben und zusammenzuleben, sollten sie das Recht dazu haben.”

euronews:
“2005 produzierten Sie den Film “Alle Kinder dieser Welt”, in dem Sie die Geschichte von sieben Kindern erzählen, die in verschiedenen Teilen der Welt an Ungerechtigkeit und Gewalt leiden. Verteidigen wir auch unsere Zukunft, wenn wir die Rechte der Kinder verteidigen?”

Maria Grazia Cucinotta:
“Kinderrechte zu verteidigen ist für mich die Grundlage des Lebens, das sollte für alle Menschen so sein, denn die Kindheit ist die schönste Zeit unseres Lebens. Ein Kind sollte keine Probleme haben, es sollte lachen, träumen und die Grundlagen für sein Leben entwickeln können.
Wir sollten sie nicht nur beschützen, weil sie unsere Zukunft sind, sondern auch weil jedes Leben schützenswert ist. Denn wenn es in der Kindheit Risse gibt, wird dieser Mensch sein ganzes Leben Probleme haben.”

euronews:
“Sagen Sie uns abschließend, was wünschen Sie sich für die Zukunft?”

Maria Grazia Cucinotta:
(lacht) “Ich hätte gerne einen Zauberstab, um alles zu ändern, was falsch läuft auf dieser Welt. Ich wünschte, wir alle zusammen würden diesen Zauberstab benutzen.”

euronews:
“Davon sind Sie überzeugt?”

Maria Grazia Cucinotta:
“Ja, davon bin ich überzeugt. Vor allem, wenn ich zurückschaue. Wenn ich in Sizilien bei meiner Mutter bin und ich dort, wo ich aufwuchs, aus dem Fenster schaue, sehe, woher ich kam und was ich heute bin, bin ich der glücklichste Mensch auf Erden. Und das vergesse ich nie. Jeden Tag wache ich auf, blicke mich um und sage mir: Das ist kein Traum.”