Eilmeldung

Eilmeldung

Farinas: Hungerstreik als Waffe gegen das Castro-Regime

Sie lesen gerade:

Farinas: Hungerstreik als Waffe gegen das Castro-Regime

Schriftgrösse Aa Aa

Er trat mehr als 20 Mal in den Hungerstreik und saß jahrelang im Gefängnis: Der kubanische Dissident Guillermo Farinas konnte nun endlich den Sacharow-Preis des Europaparlaments entgegennehmen, mit dem er bereits 2010 ausgezeichnet worden war. “Es gibt viele Wege für die Freiheit zu kämpfen”, so der stellvertretende Präsident des Parlaments, Giovanni Pitella. “Sie haben wiederholt den Hungerstreik als Waffe gewählt, um gegen die Diktatur ihres Landes zu kämpfen. Ihre Hartnäckigkeit hat Sie fast das Leben gekostet, doch Sie haben die kubanische Regierung dazu gebracht, 52 politische Gefangene auf freien Fuß zu setzen.” 2010 befand sich Farinas insgesamt 135 Tage im Hungerstreik, bevor das Regime in Havanna die Freilassung der Häftlinge anordnete. Durch die Streiks ist die Gesundheit des inzwischen 51-Jährigen stark angeschlagen. 2010 blieb der Stuhl des Preisträgers leer, denn das Regime liess ihn nicht ausreisen.

Anlässlich der Verleihung des Sacharow-Menschenrechtspreises an Giullermo Farinas sprach euronews mit dem kubanischen Dissidenten in Straßburg.

euronews:
Vor wenigen Monaten erst konnten die kubanischen Aktivistinnen Damas de Blanco den Sacharow-Preis für 2005 entgegennehmen, Sie wurden 2010 damit ausgezeichnet. Es gibt Reiseerleichterungen, sonst hätten Sie nicht nach Straßburg kommen können. Gibt es auch sonst Veränderungen?

Guillermo Farinas:
Ziel der Veränderungen ist, dass sich nichts ändert. Die Gesetze bleiben, wie sie sind, die Repression bleibt intakt, die Anzahl der politischen Gefangenen bleibt unverändert. Auch die Gewalt der Behörden angesichts gewaltfreier Aktionen in den Straßen Kubas bleibt uns erhalten. Unsere Rechte sind im Verlauf von 54 Jahren verletzt worden. Die Veränderungen sind rein kosmetisch, das kubanische Regime braucht Geld, um den wirtschaftlichen Niedergang und die Blockade durch Europa und die USA einzudämmen. Kuba braucht Investitionen, denn die hohe Zahl der Arbeitslosen könnte zu sozialen Unruhen führen, wie man in Europa zu sagen pflegt.

euronews:
Sie sind 24 Mal in den Hungerstreik getreten. Warum haben Sie diese Form des Protests gewählt?

Guillermo Farinas:
Diese Methode hat historisch betrachtet zu guten Ergebnissen geführt. Hungerstreiks kubanischer Gefangener haben das Regime in den sechziger und siebziger Jahren in die Enge getrieben. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, außerhalb des Gefängnisses, unmittelbar in der Gesellschaft in den Hungerstreik zu treten. Ich habe dieses Ziel erreicht, denn diese Streikform wurde bei der innenpolitischen Opposition Kubas immer häufiger eingesetzt, sie wurde ein Mittel, um gegen die Ungerechtigkeiten des kubanischen Regimes zu kämpfen.

euronews:
Werden Sie auch künftig in den Hungerstreik treten?

Guillermo Farinas:
Das hängt von den Umständen ab, denen mich das kubanische Regime aussetzt, die es dem Land aufzwingt. Wenn ich in den Hungerstreik getreten bin, habe ich nie etwas für mich sondern immer etwas für andere gefordert.

euronews:
Sie waren in Florida, jetzt sind in Straßburg, woher Sie nach Madrid reisen werden. Wie Sie wissen, gibt es eine Kontroverse über die finanzielle Hilfe für die kubanische Opposition. Wer kommt für die Kosten Ihrer Reisen auf?

Guillermo Farinas:
Das Europäische Parlament. Was die Reisen nach Honduras, Miami, New York, New Jersey, Puerto Rico und Polen anbelangt, kommen dafür zwei Exilkubaner auf, die es zu Wohlstand gebracht und die nicht vergessen haben, dass es in ihrer Heimat keine Demokratie gibt, sondern dass sie autokratisch geführt wird.

euronews:
Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Landes?

Guillermo Farinas:
Die Zukunft unseres Landes wird sehr schwierig sein, denn Havanna wird den Castrismus selbst nach dem Verschwinden der Brüder Fidel und Raul Castro bewahren wollen. Das wird zu einer Konfrontation mit den Bürgern führen. Doch wenn wir klug sind, werden wir bei dieser Auseinandersetzung ohne viel Blutvergießen der Demokratie zum Sieg verhelfen.