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Ölkatastrophe: Mikroorganismen machen sauber

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Ölkatastrophe: Mikroorganismen machen sauber

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Das Meer ist sauber, denn es reinigt sich selbst. Mikroorganismen im Wasser fressen einen Großteil der Verschmutzung weg. Aber das kann einige Zeit dauern. Auf den Ferieninseln im Mittelmeer steht die neue Touristensaison kurz bevor. Doch die Schönheit der Küsten könnte jederzeit durch einen Schiffsunfall getrübt werden – durch Ölflecken, die sich nicht so einfach von der Wasseroberfläche entfernen lassen.

Das Katastrophenszenario: Ein Schiffsfrachter mit Hunderten Tonnen Dieselöl an Bord rammt einen Felsen und sinkt. Ein Teil des Öls läuft aus. Schwimmende Schutzwälle und Spezialboote, mit denen das Öl abgeschöpft wird, sind eine herkömmliche, aber keine wirksame Lösung.

Der Ozeanforscher Vassilios Mamaloukas-Fragoulis meint, “diese Technologie kennt ihre Grenzen. Haupthindernis ist, dass die schwimmenden Barrikaden das Öl nicht vollständig zurückhalten können. Sehr kleine Ölmengen kann man nicht mit mechanischen Methoden entfernen, also bleibt ein dünner Ölfilm bestehen.”

Öllachen zu entsorgen, ist eine schwierige Aufgabe. Darauf zu warten, dass Mikroorganismen die Arbeit erledigen, dauert zu lange. Was wäre also, wenn Bakterien schneller zur Tat schritten? Das ist das Ziel des europäischen Forschungsprojekts KILL SPILL, das in Griechenland koordiniert wird.

Nicolas Kalogerakis, Professor für Biochemie an der Technischen Universität von Kreta und Projektkoordinator, erklärt, “unser Hauptziel ist, neue Technologien zu entwickeln, die die natürliche biologische Zersetzung beschleunigen, die durch die Mikroorganismen im Wasser durchgeführt wird. Wir erreichen das Ziel mit einer Serie von Maßnahmen, die Mikroben mit all dem versorgen, was diese brauchen, damit diese schneller arbeiten.”

Wissenschaftler simulieren eine Ölkatastrophe: Zuerst vermischen sie Wasser mit Öl, indem sie ein biologisch abbaubares Spray benutzen, das aus pflanzlicher Öl-Fermentierung gewonnen wird.

Biotechniker Roger Marchant von Universität in Ulster erläutert, “das Öl verschwindet nicht, nur weil man es mit einem Oberflächenmittel behandelt. Es sorgt aber dafür, dass das Öl in kleinere Tröpfchen zerfließt. Auf die werden dann die Mikroorganismen losgelassen, um den Ölfilm komplett abzubauen.”

Um Ölfressende Bakterien zu erhalten, braucht man keine Gentechnik. Sie tauchen im Meereswasser auf, sobald sich ein Ölfilm bildet. Aber wie können Bakterien schneller wachsen?

Meeresmikrobiologe Michail Yakimov erklärt das Vorgehen. Er beschreibt, “wir nehmen eine Probe mit verschmutzem Meereswasser, bringen sie ins Labor und kultivieren die Mikroorganismen. Wenn wir eine große Biomasse ölfressender Bakterien herangezüchtet haben, sprühen wir diese auf die Öllachen. Alles, was wir tun, ist den natürlichen Vorgang zu beschleunigen, damit sich das Meer selbst säubert.”

Um den Appetit der Bakterien zu stimulieren, reichern Wissenschaftler diese mit gewonnenem Phosphor und Nitrogen an. Sie haben neue so genannte intelligente Partikel entwickelt, die die Nährstoffe genau dann freilassen, wenn diese im verschmutzen Meereswasser gebraucht werden. Umweltmikrobiologe Philippe Corvini sagt: “Wenn die Bakterien ins Wasser gelangen, müssen sie Nahrung aufnehmen – sie benötigen Phosphor und Stickstoff.”

Bakterien bauen Öllachen ab, Plankton baut Bakterien ab – so nimmt die Nahrungskette im Meer ihren Lauf.

Mehr über das europäische Projekt Kill Spill:
www.killspill.eu