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Fernando Botero: "Ich bin mir immer treu geblieben"

Der kolumbianische Maler und Bildhauer Fernando Botero ist ein weltweit gefeierter Künstler. Seine Werke erzielen auf den Kunstmärkten Höchstpreise

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Fernando Botero: "Ich bin mir immer treu geblieben"

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Der kolumbianische Maler und Bildhauer Fernando Botero ist ein weltweit gefeierter Künstler. Seine Werke erzielen auf den Kunstmärkten Höchstpreise. Er ist berühmt für seine drallen Körper und üppigen Formen.

Meinung

Wenn jemand diese Werke sieht, wird ihm nur ein Name in den Sinn kommen: Botero

Im italienischen Spoleto= werden bis September seine Gipsmodelle ausgestellt. Wir sprachen mit ihm über seine Kunst und seine Heimat Kolumbien.

euronews, Alberto de Filippis:
“Wir kennen alle Ihre Bronzearbeiten. Warum haben Sie sich dazu entschieden, in Spoleto Ihre Werke aus Gips zu zeigen?”

Fernando Botero:
“Nun, eine Ausstellung mit Skulpturen aus Bronze zu organisieren ist ziemlich schwierig, denn viele dieser Stücke gehören Privatpersonen oder sind in Museen. Aber wenn ein Künstler eine Skulptur erschafft, dann behält er immer das Modell aus Gips. Es ist der eigentliche Kern der Skulptur. Gips ist ein schönes, nobles und glänzendes Material.
Ich habe diese ganze Sammlung in meinem Studio in Pietrasanta, hier in Italien. Spoleto hat mir eine ganz besondere Ausstellungsmöglichkeit geboten. Das Spoleto-Festival ist perfekt, um 50 Skulpturen zu zeigen.”

euronews:
“Was inspiriert Sie?”

Fernando Botero:
“Es ist schwierig zu sagen. Seit dem Anfang habe ich mich sehr für Volumen interessiert.
Zu Beginn war es nur eine Idee. Ich wollte runde Formen erschaffen. Mit der Zeit und durch die Kunstgeschichte, durch meine Italienreisen, durch Gemälde aus dem 14. und dem 15. Jahrhundert und durch Künstler wie Giotto, Masaccio, Piero della Francesca und andere wie Paolo Uccello habe ich besser verstanden, warum Volumen in der Malerei so wichtig sind. Meine Arbeit hat viele Inspirationsquellen: die Kunst der Etrusker, präkolumbische Kunst, volkstümliche Kunst, usw.
Es ist eine Mischung. Wie ein Cocktail, der im Kopf des Künstlers entsteht. Aber am Ende, wenn jemand diese Werke sieht, wird ihm nur ein Name in den Sinn kommen: Botero. Das ist ein Werk von Botero. Man erkennt es sofort. Aber wenn man genauer hinsieht, dann kann man natürlich verschiedene Einflüsse in meiner Arbeit erkennen.”

euronews
“Sie haben einmal gesagt, dass Sie keine dicken Frauen malen. Woher kommt also Ihr Interesse am Volumen?”

Fernando Botero:
“Mit Volumen kann man Sinnlichkeit und Bewegung ausdrücken. Das hat zu der größten Revolution in der Kunst geführt: Der Einfühung von Volumen. Es ist die Illusion, auf einer flachen Oberfläche etwas zu erschaffen, Raum zu schaffen. Die Dinge existieren dank ihres Volumens. Was ich gemacht habe, war eine außerordentliche Revolution. Aber ich bin noch darüber hinaus gegangen. Mit Hilfe von aufregenden Formen und Volumen wollte ich Aufregung ausdrücken. Die Aufregung, die Sie spüren, wenn Sie sich ein Kunstwerk ansehen. Wenn man sich ein Kunstwerk ansieht, dann muss man über die Kunst meditieren. Ich glaube noch immer, dass Volumen und Bewegung sinnliche Elemente in der Malerei sind.”

euronews
“Malen sollte eine Freude sein, aber ich erinnere mich an eines Ihrer Bilder, das Ihrem verstorbenen Sohn gewidmet ist. Ein Junge, der auf einem Schaukelpferd sitzt, und in den Augen des Tieres ist eine tiefe Traurigkeit zu erkennen. Ist es schwierig, sich selbst so zu entblößen?”

Fernando Botero
“Das Gemälde, von dem Sie sprechen liegt mir sehr am Herzen. Vielleicht ist es das wichtigste Gemälde, das ich je gemalt habe. Es ist das Portrait meines Sohnes Pedrito, der bei einem Autounfall umgekommen ist. Es war das erste Gemälde, das ich nach diesem schrecklichen Unfall gemalt habe. Ich habe mein ganzes Herz und meine Seele in dieses Werk gesteckt. Dieses Gemälde drückt am besten aus, wer ich bin und was ich über die Malerei denke. Dieses Werk wird in Medellín, der Hauptstadt des Departamento Antioquia in Kolumbien, ausgestellt.”

euronews
“Seinen eigenen Stil zu finden muss sehr schwierig sein, denn man ist sich selbst gegenüber immer sehr kritisch. Was hat Sie dazu ermutigt, Risiko einzugehen?”

Fernando Botero:
“Ich male heute noch immer so wie am Anfang. Das figurative Gemälde, das den Gegenstand betrachtet, während alle anderen abstrakte Malerei machen. Damals war das Mode. In meiner Anfangszeit als Künstler hat sich niemand meine Gemälde angesehen. Alles musste abstrakt sein. Ich bin mir aber treu geblieben. Ich war der Überzeugung, dass Malerei so sein sollte, und dem verdanke ich meinen heutigen Erfolg. Denn ich bin mir immer treu geblieben.”

euronews:
“Was in der Welt passiert, lässt Sie nicht kalt. Ist ihre Kunst auch politisch?”

Fernando Botero:
“Ich habe politische Themen bearbeitet. Ich habe eine Gemäldeserie über Gewalt in Kolumbien und eine über die Folter in Abu Ghraib, dem Gefängnis im Irak, gemacht. Ich habe viele Diktatoren und Militärs gemalt, als es in Lateinamerika viele davon gab. Ich bin genauso wie jeder andere an Politik interessiert. Ich verfolge die Nachrichten, und viele Sachen, die heutzutage passieren, berühren mich. Zum Beispiel die Migranten aus armen Ländern, die versuchen, nach Europa zu gelangen. Das ist ein sehr dramatisches Thema. Sehr zeitgemäß. Ich interessiere mich dafür, und manchmal drücke ich mich mit einem Gemälde aus.”

euronews
“Sie haben fast ihr ganzes Leben außerhalb von Kolumbien verbracht. Was für eine Beziehung haben Sie zu dem Land?”

Fernando Botero:
“Ich habe eine sehr gute Beziehung zu Kolumbien, und ich habe dort ein Haus. Ich verbringe jedes Jahr mindestens einen Monat dort. Und ich habe zwei Museen: Das Museum in Bogotà, das ich gestiftet habe, und das Museum in Medellín. Es gibt dort mehr als 200 Werke von mir. Ich habe die Regierung davon überzeugt, einen großartigen Ort zu finden. Diese zwei Museen bescheren mir eine große Zufriedenheit. Sie sind etwas, das ich für mein Land getan habe.”

euronews:
“Derzeit verhandeln die Farc-Rebellen mit der kolumbianischen Regierung. Was halten Sie von diesen Friedensgesprächen?”

Fernando Botero:
“Ich bin optimistisch, und ich hoffe, dass sie einen Friedensvertrag unterschreiben werden. Das wäre eine große Erleichterung für Kolumbien. Wenn sie erfolgreich sind, würde die Wirtschaft des Landes aufblühen. Nicht alle sind wohlwollend gegenüber Kolumbien. Dieser Friedensprozess hat viele Gegner, aber ich finde ihn großartig.”

Die Ausstellung in Spoleto läuft noch bis zum 20. September.