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Zika und Mikrozephalie: Brasilien diskutiert Abtreibungserlaubnis bei Mückenstichen

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Zika und Mikrozephalie: Brasilien diskutiert Abtreibungserlaubnis bei Mückenstichen

Zika und Mikrozephalie: Brasilien diskutiert Abtreibungserlaubnis bei Mückenstichen
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Die Zika-Epidemie hat in Südamerika eine neue Debatte über Abtreibung ausgelöst. In Brasilien hat eine Gruppen von Anwälten und Aktivisten nun beim Verfassungsgericht beantragt, Schwangerschaftsabbrüche zu erlauben, wenn eine Frau Mückenstiche nachweisen kann.

Das Virus steht im Verdacht, Schädelmissbildungen bei Föten zu verursachen. Eine Zika-Infektion ist aber nicht immer erkennbar. Seit Oktober wurden in Brasilien rund 4000 sogenannte Mikrozephalie-Fälle bei Neugeborenen registriert.

“Wir haben keine zuverlässige Diagnosemöglichkeit”, so Beatriz Galli, Anwältin und Sprecherin der lateinamerikanischen Frauenrechtsgruppe Cladem. “Bei so großen Unwägbarkeiten während dieser Epidemie oder gar Pandemie, vor der die Weltgesundheitsorganisation warnt, können Frauen nicht gezwungen werden, ein Kind auszutragen.”

Wie in den meisten anderen Ländern Lateinamerikas sind Schwangerschaftsabbrüche in Brasilien verboten – mit wenigen Ausnahmen, wie etwa, wenn ein Gesundheitsrisiko für die Mutter vorliegt. Abtreibungsgegner fürchten nun einen Präzedenzfall.

“Was die Antragsteller wirklich wollen, ist eine breitere Legalisierung der Abtreibung”, so Lenise Garcia, Vorsitzende der Organisation Brasilien ohne Abtreibung. “Wenn wir Abtreibungen wegen Mikrozephalie erlauben, warum nicht auch beim Down-Syndrom und anderen Beeinträchtigungen des Kindes.”

Brasilien und andere betroffene Länder empfehlen Frauen derzeit, Schwangerschaften zu vermeiden. Allerdings sind nach UN-Schätzungen im katholisch geprägten Lateinamerika etwa 60 Prozent der Schwangerschaften ungeplant, gerade in armen Regionen haben Frauen keinen flächendeckenden Zugang zu Verhütungsmitteln.

Schwangeren bleibt derzeit nur die Möglichkeit, Mückenstiche zu vermeiden, mit Mückenmitteln und langer Kleidung. Brasilien betreibt außerdem eine breitangelegte Ausrottungskampagne gegen die übertragende Ägyptische Tigermücke in Wohngebieten.