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IS-Fragebögen: "Goldgrube für Geheimdienste"

“Männlich, jung, Kenntnisse in Chemie” Es ist ein erstaunlicher Datensatz, der derzeit deutsche Sicherheitsbehörden beschäftigt. Ihnen liegen Namen

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IS-Fragebögen: "Goldgrube für Geheimdienste"

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“Männlich, jung, Kenntnisse in Chemie”

Meinung

Beim Islamischen Staat haben wir es nicht nur mit einer Terrorgruppe zu tun, sondern auch mit einer Organisation, die sich als Staat versteht.

Es ist ein erstaunlicher Datensatz, der derzeit deutsche Sicherheitsbehörden beschäftigt. Ihnen liegen Namen und persönliche Angaben von rund 22.000 IS-Terrorverdächtigen vor.

Bei den Dokumenten handelt es sich um Fragebögen, die Freiwillige bei der Einreise in das Gebiet der Dschihadisten vorlegt bekommen.
Ein enttäuschter IS-Kämpfer hatte den Datensatz an deutsche Medien wie die Süddeutsche Zeitung sowie den NDR und WDR weitergeleitet.

Name, Kampfname, Adresse, Blutgruppe und Spezialkenntenisse wie Chemie – Angaben, die vom deutschen Bundeskriminalamt mit großer Wahrscheinlichkeit als echt eingestuft werden.

ISIL definiert sich als Staat

Die Einschätzung des Terrorismusforschers Peter Neumann vom King’s College in London: “Wenige Terrorgruppen schreiben aus verständlichen Gründen auf, wer ihre Mitglieder und wo diese zu finden sind. Was wir beim Islamischen Staat sehen ist, dass wir es eben nicht nur mit einer Terrorgruppe zu tun haben, sondern auch mit einer Organisation, die sich als Staat versteht.”

Sein Selbstverständis als Staat mit bürokratischer Akribie wird ISIL samt Terrorverdächtigen nun zum Verhängnis. Selbst wer für die Pflege der Blumenbeete in der Hochburg der Dschihadisten im syrischen Al-Rakka verantwortlich ist, wird in den Dokumenten aufgelistet.

Neumann sieht in den Dokumenten ein Beispiel für die Disziplin der Dschihadisten:

Tiefe Einblicke erlauben Fragen wie: Kämpfer oder Selbstmordattentäter? Aus den Papieren geht auch hervor, welche Deutsche beim sogenannten IS besondere Aufgaben haben sollen.

Beweise vor Gericht

Das unabhängige britische Forschungsinstitut RUSI nannte den Datensatz eine “Goldgrube”, um Terrorverdächtigen den Prozess zu machen. Bisher war es häufig schwierig, den Angeklagten nach ihrer Rückkehr aus Syrien oder dem Irak die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung nachzuweisen. Wie beim Frankfurter Islamisten Abdulkarim B. Doch nun liegt den Behörden sein Einreisebogen vor.
Terrorexperte Peter Neumann bestätigt das:

Mehr als 800 Deutsche sind nach Angaben des BKAs bisher nach Syrien gereist. Rund ein Drittel ist nach Deutschland zurückgekehrt.