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Vorwurf der Terrorpropaganda: Britischer Wissenschaftler der Türkei verwiesen

Auch der Türkei-Korrespondent des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat das Land verlassen. Türkische Behörden verweigern Hasnain Kazim seit mehr als drei Monaten den Presseausweis. Kazim will künftig

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Vorwurf der Terrorpropaganda: Britischer Wissenschaftler der Türkei verwiesen

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Ein seit 25 Jahren in der Türkei lebender britischer Wissenschaftler ist wegen des Verdachts auf Terrorpropaganda des Landes verwiesen worden. Chris Stephenson verließ die Türkei über den Istanbuler Atatürk-Flughafen, nachdem er vor einem Gerichtsgebäude der Metropole in Polizeigewahrsam genommen worden war. Dort wollte der Computerexperte und Dozent gemeinsam mit anderen Demonstranten drei inhaftierte Akademiker unterstützen, die eine internationale Petition für Frieden in den Kurdengebieten unterzeichnet hatten. Auch den Akademikern wird Terrorpropaganda vorgeworfen.

Meinung

Ich habe immer für den Frieden gehandelt

Chris Stephenson erklärte vor seinem Abbflug aus Istanbul:

“Sie haben eine Neujahrseinladung der Oppositionspartei HDP bei mir gefunden. Das ist alles. Sie haben mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, dass es sich um ein Schreiben einer Terrororganisation handelt. Ich habe gesagt, dass es kein Schreiben einer Terrororganisation ist, und dass ich Terrorismus nicht unterstütze. Ich will Frieden und habe immer für den Frieden gehandelt.”

Der pro-kurdischen HDP hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mehrfach vorgeworfen, staatliche Mittel zu missbrauchen, um die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK zu unterstützen. Die türkische Regierung macht die PKK unter anderem für den Anschlag vom Sonntag in Ankara mit über drei Dutzend Toten verantwortlich.

Mehreren Berichten zufolge musste Stephenson ausreisen, weil ihm Haft drohte

Der Türkei-Korrespondent des deutschen Nachrichtenmagazins “Der Spiegel”, Hasnain Kazim, hat ebenfalls das Land verlassen, weil dort sein Presseausweis nicht verlängert wurde.

“Das führt dazu, dass ich hier keine Arbeitsgrundlage und auch keine Aufenthaltsberechtigung habe”, sagte Kazim der Deutschen Presse-Agentur kurz vor seiner Ausreise.

Aus Sorge, dass die türkischen Sicherheitsbehörden die Ausreise verhindern könnten, begleitete ein deutscher Diplomat die Familie bis zur Passkontrolle am Istanbuler Atatürk-Flughafen.

Kazim gehört zu den schärfsten Kritikern Erdogans und der Regierungsparte AKP – und hat deswegen auch schon Morddrohungen erhalten.

“Unsere Haltung kann man kritisieren, aber das rechtfertigt nicht diesen Umgang”, sagte Kazim, der jetzt aus Wien seine Berichterstattung fortsetzen will.