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Griechenland ordnet Medienlandschaft neu

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Griechenland ordnet Medienlandschaft neu

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Nach fast 66 Stunden Auktionsmarathon hat die griechische Regierung vier TV-Lizenzen für zehn Jahre an private Unternehmen vergeben. 246 Millionen Euro soll der griechische Staat für die Lizenzen erhalten.

Gewonnen haben die Sender SKAI und ANT 1, die beide bereits zuvor existierten und Reederfamilien gehören. Neu hinzukommen jetzt die Sender Alter Ego, der ebenfalls einer Reederfamilie gehört und Kalogritsas, der von einem Bauunternehmer betrieben werden wird. Der griechische Staatsminister Nikos Pappas, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Damit habe man auch gezeigt, das Griechenland sich wirtschaftlich erholt, sagte er.

Die griechische Opposition und der Journalistenverband hatten die Reduzierung der Zahl der Lizenzen und das Vergabeverfahren scharf kritisiert. Deutliche Worte fand auch Kostas Kimpouropoulos von SKAI TV, obwohl der Sender eine Lizenz erhalten hat: Kimpouropoulos sagte, man habe Lösegeld gezahlt, um weiter als unabhängiges Medienhaus arbeiten und berichten zu können.

Die Medienlandschaft Griechenlands wird sich mit der Neuvergabe der Lizenzen dramatisch verändern. Mega TV, bisher der größte private Sender, Alpha TV, Star und Epsilon, werden alle innerhalb der nächsten 90 Tage abschalten müssen.

Die Regierung verteidigte die Reduzierung der Lizenzen. Sie ist der Ansicht, der griechische TV-Markt sei wegen des Rückgangs der Werbung im Zuge der Finanzkrise nicht in der Lage, alle bisherigen Privatsender zu finanzieren. Regierungschef Alexis Tsipras hat den Besitzern der Privatsender außerdem vorgeworfen, Teil des etablierten Vetternwirtschaftssystems zu sein. Seitens der Opposition hieß es dagegen, Tsipras versuche lediglich ein neues Mediensystem zu etablieren, das ihm politisch nähersteht.

In den nächsten fünf Tagen müssen die griechischen Behörden die vorgelegten Wirtschaftszahlen der Gewinner überprüfen und innerhalb von 15 Tagen müssen die Sieger die erste von insgesamt drei Raten zahlen. Über die Rechtmäßigkeit des Vergabeverfahrens berät aber auch noch das oberste Gericht Griechenlands.

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