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Referendum zum Friedensvertrag in Kolumbien: Farc bittet um Zustimmung


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Referendum zum Friedensvertrag in Kolumbien: Farc bittet um Zustimmung

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Am Sonntag stimmt Kolumbien in einem Referendum über den historischen Friedensvertrag mit der Farc-Guerilla ab. Umfragen zufolge liegen die Befürworter in der Bevölkerung mit 55 bis 66 Prozent vorn.

Die Regierung unter Präsident Juan Manuel Santos und die Rebellenorganisation hatten vier Jahre lang auf neutralem Boden in Kuba verhandelt und das Abkommen am Montag unterzeichnet. Es soll den fünf Jahrzehnte währenden Bürgerkrieg mit mehr als 220.000 Opfern beilegen.

Die Farc wirbt bei der Bevölkerung nun aktiv für das Abkommen und setzt auf Aussöhnung. Kommandeure wie Iván Márquez reisten durch die umkämpften Gebiete, um sich bei der Bevölkerung für Gewalttaten zu entschuldigen. So wie in der Gemeinde Chinita, wo die Rebellen im Jahr 1994 bei einem Massaker 35 Menschen töteten.

“Ich entschuldige mich demütig für all den Schmerz, den wir im Verlauf dieses Krieges verursacht haben”, sagte Márquez in Chinita. “Wir machen alle Fehler im Leben, einige mit schlimmeren Konsequenzen als andere. Man verliert nichts, wenn man das zugibt.”

Neben einer Landreform, einer Entschädigung der Opfer und einer politischen Beteiligung der Rebellenorganisation sieht der Vertrag auch eine juristische Aufarbeitung mit Strafobergrenzen von acht Jahren Haft für begangene Verbrechen vor.

Kritiker bezeichnen die Rebellen als Terroristen und lehnen den Vertrag ab. Zu den Gegnern gehören Abgehörige von Opferverbänden sowie der ehemalige Präsident Álvaro Uribe, der der Farc auch den Tod seines Vaters anlastet und die Rebellen während seiner Amtszeit bitter bekämpfte.

Die linksgerichtete Farc ist die größte und älteste Rebellengruppe des Landes. Die Regierung fordert auch kleinere Gruppe wie die ELN auf, ihre Waffen niederzulegen. Und auch die rechten Paramilitärs verübten schwere Gewaltverbrechen. Die Bevölkerung litt in dem häufig über Drogenhandel finanzierten Bürkerkrieg unter Ausbeutung, Lösegelderpressungen und Ermordungen als vermeintliche Kollaborateure.

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