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Frauen in der Armee in Afghanistan - im Kampf gegen die konservative Gesellschaft

In der Militärakademie von Kabul nehmen auch Frauen an der Ausbildung teil, aber ihre Zukunftsaussichen sind wegen einer zunehmend konservativen, aber auch zunehmend gewalttätigen Gesellschaft…

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Frauen in der Armee in Afghanistan - im Kampf gegen die konservative Gesellschaft

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In der Militärakademie von Kabul nehmen auch Frauen an der Ausbildung teil, aber ihre Zukunftsaussichen sind wegen einer zunehmend konservativen, aber auch zunehmend gewalttätigen Gesellschaft unsicher.

Viele der fast 150 Frauen, die zu Offizieren ausgebildet werden, sagen, sie seien stolz, dass sie ihren Beitrag dazu leisten können, dass Afghanistan sicherer wird. Das Land ist weiterhin von den Taliban bedroht, die vom Westen unterstützte Regierung bekämpfen und zu Fall bringen wollen.

Sakina Jafari (21) sagt: “Ich habe mich für die Armee entschieden, um das Leben meiner Landsleute und uns alle zu verteidigen.” Gleichzeitig will sie ein Vorbild sein.
“Das ermutigt andere Mädchen, zur Armee zu gehen.”

Afghanistan gehört zu den Ländern auf der Welt, in denen es Frauen und Mädchen trotz internationaler Hilfsprogramme weitherhin am schwersten haben. Das geht aus Untersuchungen der UN hervor.

In einem Vorort der Hauptstadt Kabul werden Frauen und Männer getrennt ausgebildet – auch wenn die Ausbildung die gleiche oder zumindest sehr ähnlich sein soll. Frauen treiben Sport und werden an Waffen ausgebildet. Sie lernen Militärtaktik und Erste Hilfe.

Die meisten Frauen, die an der Militärakademie ausgebildet werden, sollen in nicht-kämpfenden Einheiten – auch im Management der Armee, in der Personalabteilung, beim Funk oder beim Geheimdienst – arbeiten. Das erklärt uns Oberstleutnant Cobra Tanha (28).

Einige Frauen hoffen, dass sie in die “Afghan special forces” aufgenommen werden und dann auch an nächtlichen Razzien und anderen Spezialeinsätzen teilnehmen können.
Die USA, die etwa 7.000 Soldaten als Teil des NATO-Einsatzes in Afghanistan stationiert haben, helfen bei der Ausbildung der afghanischen Armee und haben 2016 nach eigenen Angaben 93,5 Mio. Dollar dafür ausgegeben, dass der Anteil von Frauen in der Armee erhöht wird.

Bisher gibt es nur etwa 900 Frauen in der afghanischen Armee – von den USA geplant waren etwa 5.000 Soldatinnen.

Hasina Hakimi (19) erklärt, dass sie wegen der Drohungen der Taliban nicht in ihre Heimatprovinz zurückkehren kann. Viele Frauen würden auch innerhalb der Armee bedroht.

Der Platz der Frauen in der afghanischen Gesellschaft ist kompliziert. Etwa 60 Prozent der Afghanen meinten in einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr, dass es nicht akzeptabel sei, wenn Frauen in der Armee oder bei der Polizei arbeiten.

Die NATO-Ausbilder haben herausgefunden, dass die Frauen, die die Armee wieder verlassen, dies vor allem tun, weil ihre männlichen Verwandten oder männlichen Kollegen dagegen sind oder weil sie nicht genung verdienen oder weil sie in der Familie andere Aufgaben übernehmen müssen.
Auch mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten sind ein Problem für die Frauen.

Benafsha Sarwari (20), eine Lehrerin an der Militärakademie in Kabul, bestätigt diese Sorgen.
Dennoch will sie weitermachen. “Ich habe viele Herausforderungen überwunden. Wir leben in einer konservativen Gesellschaft, viele Leute sind Frauen, die außer Haus arbeiten, gegenüber pessimistisch eingestellt. Aber wir dürfen nicht aufgeben, sondern müssen diese Probleme überwinden und unsere Aufgabe erfüllen.”