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Mexikanische Journalisten funken "SOS"


Mexiko

Mexikanische Journalisten funken "SOS"

SOS Presse” in riesigen Lettern auf dem Pflaster – damit haben Journalisten in Mexico City und sieben anderen Städten des Landes gegen die Gefahren ihres Berufes protestiert – 2017 wurden bereits 7 – nach manchen Quellen 8 – Journalisten ermordet. Für “Reporter ohne Grenzen” gehört Mexiko zusammen mit Kriegsländern wie Syrien und Afghanistan zu den gefährlichsten Ländern weltweit für Journalisten.

So wurde Salvador Adame im Mai entführt und kürzlich leblos auf einer Straße im Westen Mexikos entdeckt.


Ana Lucia Altamirano, unabhängige Journalistin:

“Wir haben viele Fälle von Journalisten, die das Land verlassen mussten, die um ihre Sicherheit fürchten und das Bild ist noch dunkel. Es gibt keine Antwort, wir haben keine Sicherheit bei der Arbeit. Unsere Arbeitsbedingungen, auch wenn es um die Gehälter geht, um die Sicherheit und physischen Schutz werden nicht beachtet – und genau das fordern wir.”

Adames Lokalsender berichtet aus der Stadt Nueva Italia in Michoacan. Der Bundesstaat ist besonders von dem blutigen Drogenkrieg in Mexiko betroffen.


Im weiter nördlich gelegenen Bundesstaat Sinaloa war im Mai der 50-jährige Journalist Javier Valdez auf offener Straße erschossen worden, er arbeitete unter anderem für die Nachrichtenagentur AFP und für einheimische Zeitungen. Valdez war für seine mutige Berichterstattung über den Drogenkrieg bekannt, für die er auch ausgezeichnet wurde.


Laut Kommittee zum Schutz von Journalisten (Committee to protect Journalists, CPJ), New York, wurden seit 1994 in Mexiko mindestens 38 Journalisten umgebracht.


ABHöR-VORWüRFE

Seit einigen Tagen wurden außerdem Vorwürfe publik, dass Mexikos Regierung Anwälte, Reporter und Aktivisten ausspioniere. Die Regierung dementiert die Berichte von „New York Times“ und Amnesty International in Zusammenarbeit mit mehreren Menschenrechtsorganisationen. Demnach hat Mexiko über Jahre hinweg Menschenrechtler, Journalisten, Anwälte der Familien der Ayotzinapa-Opfer – hier verschwanden vor drei Jahren 43 Lehramtsstudenten – und Antikorruptions-Kämpfer mittels Trojanern und anderer Malware ausspioniert.

Die Software mit Namen Pegasus wird von dem israelischen Unternehmen NSO Group nur an staatliche Stellen verkauft. Die mexikanische Regierung erwarb diese Malware laut den Enthüllungen seit dem Jahr 2011 für insgesamt 70 Millionen Euro. Angeblich sollten damit die Bosse der Drogenkartelle und mögliche terroristische Gefährder ausspioniert werden. Faktisch seien sie aber genutzt worden, um Mitglieder der Zivilgesellschaft und unliebsame Journalisten auszuhorchen.

Sigrid Ulrich mit AFP