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Papst-Vertrauter Kardinal Pell wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht


Australien

Papst-Vertrauter Kardinal Pell wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht

Der enge Papst-Vertraute George Kardinal Pell muss sich in Australien wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht verantworten. Bei seiner ersten Anhörung am Mittwoch in Melbourne bestritt Pell, sich vor Jahrzehnten als Geistlicher in seiner Heimat sexueller Misshandlungen schuldig gemacht zu haben. Sein Anwalt Robert Richter kündigte an, Kardinal Pell werde bezüglich aller Vorwürfe auf unschuldig plädieren. Zugleich betonte er, dass die Unschuldsvermutung gelte.

Der Termin dauerte nur wenige Minuten, wurde jedoch von einem großen Medienaufgebot begleitet. Pell ist der bislang ranghöchste katholische Geistliche, der wegen Kindesmissbrauchs belangt wird. Der Kardinal musste sich unter Polizeischutz mühsam einen Weg durch die Kameras bahnen.

Demonstranten gaben ihr Entsetzen über Kindesmissbrauch in der Kirche zum Ausdruck. Es sei eine Schande für seine Religion, rief eine ältere Frau, Pell solle diese Botschaft an den Papst weiterleiten. Andere standen hinter dem Kardinal und nannten die Anschuldigungen ungerechtfertigt

Als Finanzchef des Vatikans war der Australier bislang die inoffizielle Nummer in drei im Krichenstaat, hatte er sich Ende Juni jedoch beurlauben lassen. Das Verfahren soll im Oktober fortgesetzt werden. Die australischen Behörden haben sich bislang noch nicht näher dazu geäußert, was genau dem Kardinal vorgeworfen wird. Offiziell heißt es nur, es gehe um länger zurückliegende Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs.

In der Vergangenheit hatte es mehrfach Beschwerden gegeben, die in Pells Zeit als Priester in seiner Heimatgemeinde Ballarat (1976-1980) und Erzbischof von Melbourne (1996 – 2001) zurückreichen. Vor einem Jahr behaupteten zwei Männer, dass er sie in den 1970er Jahren in einem Schwimmbad unsittlich angefasst habe. Ein weiterer Mann berichtete, der katholische Geistliche habe sich in den 1980er Jahren vor Jungen in einem Umkleideraum am Strand entblößt.