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UNICEF: Rohingya-Kinder leben in "Hölle auf Erden"

Laut einem Bericht des Kinderhilfwerkes UNICEF sind über die Hälfte der Rohingya-Flüchtlinge Kinder.

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UNICEF: Rohingya-Kinder leben in "Hölle auf Erden"

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Seit Ende August sind rund 600.000 Rohingyas aus Myanmar in das südostasiatische Bangladesh geflüchtet, darunter etwa 340.000 Kinder unter 18 Jahren. Das berichtet das internationale Kinderhilfswerk Unicef. Den Bericht auf Englisch gibt es hier zu lesen.

Diese Kinder der muslimischen Minderheit aus Myanmar haben einen dramatischen Weg hinter sich. Sie flüchteten vor Hungersnot und Gewalt, oft auf sich allein gestellt. Jugendliche Rohingyas trügen ihre kleineren Geschwister auf dem Rücken durch den regennassen Schlamm der Grenzregion, berichtet Unicef. Viele warteten stundenlang auf Essensausgaben oder holten schwere Wasserkanister für ihre Familien.


“Eine Hölle auf Erden”

Heute leben sie meistens in provisorischen und dreckigen Camps. Dort fehlt es an Essen, an sauberem Wasser und an medizinischer Versorgung. Ein Fünftel der unter Fünfjährigen seien stark unterernährt und brauchen ärztliche Hilfe, so Unicef.

“Diese Kinder fühlen sich einfach so verlassen, so weit entfernt und ohne jegliche Unterstützung oder Hilfe. Kein Wunder, dass sie diesen Ort wirklich als eine Hölle auf Erden beschreiben”, erklärt Simon Ingram von UNICEF.

Neben den armseligen Lebensbedingungen lauern auf diese Kinder Gefahren an jeder Ecke: Laut Unicef gehen sie im Chaos der Camps verloren, Jugendliche werden missbraucht oder ausgenutzt. Einige von ihnen schlafen auch im Freien.

Dem Kinderhilfswerk zufolge kämen mindestens 12.000 Kinder wöchentlich neu in den Lagern an. Viele von ihnen seien traumatisiert: Mehrere haben die Ermordung von Eltern und Freunden miterleben müssen, andere erzählen von brennenden Häusern und schießenden Soldaten.

“Nachts wache ich plötzlich auf und dann sehe ich die Leute, die erschossen worden sind“, zitiert Unicef einen 16-Jährigen. „Ich habe vier Klassenkameraden und einen Lehrer verloren.“


Aufruf zur schnellen Hilfe

Unicef ruft zur schnellen und umfangreichen Hilfe auf: Das Hilfswerk hätte bis jetzt beispielsweise etwa 180 Wasserstellen errichten können, man bräuchte aber mindestens acht Mal mehr.

Nach Angaben des UN-Nothilfebüros sind nach dem UN-Spendenaufruf in Höhe von 434 Millionen Dollar für sechs Monate erst 24 Prozent der Summe eingegangen. Am kommenden Montag sollen Geberländer auf einer UN-Konferenz in Genf Geld für die Rohingya-Krise bereitstellen.