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Zarenmord in Russland: Religiöses Menschenopfer?

In Russland werden die Todesumstände der ermordeten Zarenfamilie untersucht. Ein Bischof behauptet, sie sei Opfer eines jüdischen Ritualmords geworden.

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Wurde die letzte Zarenfamilie Opfer eines jüdischen Ritualmords? Dieser Frage geht in Russland ein Ermittlungskomitee aus Experten und Geistlichen der orthodoxen Kirche nach.

Einer der Bischöfe verkündete jetzt, er habe keinen Zweifel daran, dass es sich beim Mord von Nikolaus II. und seiner Familie um ein religiöses Menschenopfer durch Juden handelte. Gegen diese Behauptung laufen jüdische Organisationen Sturm.

„Die rituelle Ermordung der Zarenfamilie ist ein zu 100 Prozent antijüdischer Mythos. Entsprechend schockiert waren wir, als wir von der Äußerung des Bischofs erfuhren“, sagt Boruch Gorin, Sprecher der Föderation Jüdischer Gemeinden Russlands. „Der Kommentar des Bischofs und auch die Tatsache, dass laut ihm die Mehrheit der orthodoxen Kirchenkommission derselben Meinung ist, zeigen, wie antisemitisch die Rhetorik der russisch-orthodoxen Kirche ist.“

Die jüdische Gemeinde wirft der Kirche einen „Rückfall in dunkelste Zeiten“ vor. Seit dem Mittelalter wurde Juden von antisemitischen Gruppen immer wieder vorgeworfen, Christen zu ermorden, um ihr Blut für rituelle Zwecke zu verwenden. So auch nach der Hinrichtung Zar Nikolaus II., seiner Frau und der fünf Kinder. Sie wurden im Juli 1918 in Jekaterinburg von den Bolschewisten erschossen.