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IS-Mädchen Linda (17): "Dumme Idee"

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IS-Mädchen Linda (17): "Dumme Idee"

IS-Mädchen Linda (17): "Dumme Idee"
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Im Juli hat die 17-jährige Linda W. traurige Berühmtheit erlangt: Medien aus aller Welt berichteten über die Festnahme der deutschen IS-Anhängerin in Mossul. Jetzt wartet sie auf ihren Gerichtsprozess in Bagdad. Bei einer Abschiebung nach Deutschland muss sie nach bisheriger Rechtsprechung nicht mit einem Haftbefehl rechnen. Vieles an Lindas Geschichte lässt sich nicht nachprüfen. Hat sie gekämpft oder nicht? Ist sie Opfer oder Täterin?

Ich weiß nicht, wie ich auf so eine dumme Idee kommen konnte, zum IS zu gehen, ich hab mir mein Leben damit ruiniert.

Linda W. IS-Mädchen

Beim Besuch ihrer Mutter und Schwester in der irakischen Hauptstadt bereut sie ihre Entscheidung, sich dem sogenannten IS angeschlossen zu haben:

"Ich weiß nicht, wie ich auf so eine dumme Idee kommen konnte, zum IS zu gehen, ich hab mir mein Leben damit ruiniert", sagt Linda W.

Laut Angaben des Verfassungsschutzes gibt es derzeit Erkenntnisse zu mehr als 960 deutschen Islamisten, die nach Syrien oder in den Irak reisten, um die IS-Miliz oder andere Dschihadisten zu unterstützen. Die Mehrheit der Personen sind jünger als 30 Jahre, ein Fünftel von ihnen sind Frauen.

Das Mädchen aus Sachsen hatte sich über das Internet radikalisiert. Sie tritt zum Islam über, heiratet am Telefon Mohammed, einen Österreicher mit tschetschenischen Wurzeln. Er befiehlt ihr, ins Kalifat zu reisen.

Nach ARD-Recherchen schickt sie ihrer Mutter während ihrer Zeit beim IS nur eine Nachricht: Sie sei am Leben, ihre Mutter solle sie "nicht zuheulen". Sie wisse, dass der Verfassungsschutz mitlese, schreibt Linda und: "ein paar worte an euch dreckige hunde (...) es werden noch viele viele anschläge bei euch folgen".

Im Irak wird Linda schnell zur Witwe, ihr Mann fällt im Kampf. Was folgt, ist der triste Alltag in einem Frauenwohnheim. Sie erlebt die Großoffensive der irakischen Armee, Angriffe, Bomben, sieht viele Tote. Im Juli ergibt sie sich irakischen Sicherheitskräften. Sie wird nach Bagdad gebracht.

Dort sollen nach Medienrecherchen mindestens sechs weitere deutsche Frauen, teilweise mit ihren Kindern, auf ihren Prozess warten. Ihre Zukunft ist ungewiss. Bei einer Anklage im Irak droht ihnen die Todesstrafe. Und auch die Rechtssprechung in Deutschland könnte sich ändern:

"Wir sind der Meinung, dass sich auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Organisation bejahen lässt. Weil diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit dieser Terrororganisation von innen heraus stärken. Endgültig wird diese Frage aber der Bundesgerichtshof klären", sagt Generalbundesanwalt Peter Frank.

Heute will Linda nur noch eins: heim ins sächsische Pulsnitz.