Eilmeldung

Eilmeldung

5 Lehren aus der Wahl in Katalonien

Sie lesen gerade:

5 Lehren aus der Wahl in Katalonien

© Copyright :
REUTERS/Albert Gea
Schriftgrösse Aa Aa

"Fängt denn alles wieder von vorne an?", fragte sich ein Journalist im spanischen TV tief enttäuscht.

Madrid hatte auf eine Rückkehr zur Normalität gehofft, die Separatisten aber halten weiter an ihrem Wunsch nach Unabhängigkeit fest. Auch die Neuwahl hat in Katalonien zu keiner schnellen Lösung des Konflikts geführt. (Zu den offiziellen Wahlergebnissen)

5 Dinge, die wir gelernt haben

1. "Die Republik hat die Monarchie besiegt"

Carles Puigdemont hat allen Grund sich zu freuen als er in Brüssel vor die Kameras tritt. Die Befürworter der Unabhängigkeit haben ihre Mehrheit im Parlament ausgebaut. Seine Partei ist zweitstärkste Kraft.

Artikel 155 sei damit "ausgehebelt" meint der abgesetzte Regionalpräsident und fordert, die Zwangsmaßnahmen schon am nächsten Tag zu beenden. 

Puigdemont findet harte Worte für die Zentralregierung, aber auch für die Medien. Er spricht von einem Informationskrieg, die Separatisten seien in den Medien unterrepräsentiert gewesen während des Wahlkampfes. 

Es müsse repariert werden, was beschädigt wurde, sagte Rajoy in Richtung Madrid. Er fordert Entschuldigungen und Wiedergutmachung. 

Im Laufe des Freitags will Puigdemont eine Pressekonferenz abhalten. Dann könnte er auch seine Rückkehr nach Barcelona ankündigen.

"Die Mehrheit ist für die Unabhängigkeit", triumphiert Puigdemont.

2. Opposition für den 'Shootingstar'?

Inés Arrimadas hat mit ihrer Partei geschafft, wovon die junge Juristin geträumt hatte: Ciutadans wird stärkste Kraft im neuen Parlament von Barcelona. 

Zum ersten Mal gewinnt damit eine Partei, die sich gegen die Abspaltung einsetzt. Allerdings wird die 36-Jährige wohl nicht Präsidentin der Generalitat de Catalunya. Denn die absolute Mehrheit haben die Parteien, die sich für die Abspaltung von der Zentralregierung einsetzen.

3. Rajoy, der Verlierer des Abends

Die Partei des Ministerpräsidenten kommt gerade einmal auf 3 Sitze im Parlament. Rajoy sei mit seiner Politik gescheitert, meint Puigdemont, "er hat verloren". Und tatsächlich: Es ist eine historische Niederlage des Partido Popular in Katalonien. Ob diese auch personelle Konsequenzen hat, wird man wohl im Laufe des Freitags sehen. Für 12 Uhr hat Rajoy das Exekutivkomitee seiner Partei einberufen.

4. Ausnahmesituation bringt historische Wahlbeteiligung

Die hohe Beteiligung an der Wahl zeigt, wie wichtig den Bürgern die Abstimmung ist. 81,94 Prozent der Berechtigten gaben ihre Stimme am Donnerstag ab. 

Seit Oktober hat die Regierung in Madrid die autonome Region zwangsregiert - ein Zustand, den sowohl Befürworter als auch Gegner der Unabhängigkeit beenden wollten.

Im Jahr 2015 waren 77 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen gegangen.

5. Was kommt jetzt?

Rein rechnerisch könnten sich die Unabhängigkeitsbefürworter zusammenschließen. Ob das ein Comeback für Puigdemont bedeutet, werden die nächsten Tage oder sogar Stunden zeigen. 

In jedem Fall sind lange, komplizierte und emotionsgeladene Koalitionsverhandlungen vorprogrammiert. Gibt es innerhalb der vorgegebenen Fristen etwa bis Mitte April keine neue Regierung, müsste Ende Mai oder Anfang Juni wieder neu gewählt werden.

Die Fronten sind nach Meinung einiger erhärteter denn je. Zu Weihnachten wollen nach einer Umfrage rund 20 Prozent aller Spanier keine katalanischen Produkte kaufen - wie etwa den auch in Deutschland gern getrunkenen Codorniu-Sekt.