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Empörung: Türkei setzt in Syrien Leopard 2-Panzer aus Deutschland ein

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Empörung: Türkei setzt in Syrien Leopard 2-Panzer aus Deutschland ein

Türkische Militäroperation an der Grenze zu Syrien
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REUTERS
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Nicht nur in Berlin und von der Opposition im Bundestag gibt es viel Kritik daran, dass die Türkei bei ihrer Militäroperation gegen die kurdische YPG in Syrien offenbar viele der 700 Leopard-2-Panzer aus Deutschland einsetzt.

Ein Experte aus der Bundeswehr bestätigte der dpa, dass Bilder der Militäroperation Panzer vom Typ "Leopard 2 A4" aus deutscher Produktion zeigten. Entsprechende Fotos wurden von der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, aber auch von internationalen Agenturen verbreitet.

Die Bilder haben einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Zudem plant die deutsche Regierung seit Kurzem eine Nachrüstung der Panzer zum besseren Schutz vor Minen. Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte nach dem Treffen mit seinem Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu Anfang Januar dafür geworben. Das Auswärtige Amt wollte am Montag nicht sagen, ob diese Haltung noch gilt. Grüne und Linke im Bundestag forderten einen sofortigen Stopp der militärischen Kooperation mit der Türkei.

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums erklärte in Berlin: "Außer den Bildern aus den Medien (...) haben wir keine Erkenntnisse über den Einsatz von Leopard-Panzern."

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan will die Offensive gegen die YPG in der nordsyrischen Region Afrin trotz internationaler Kritik fortsetzen. Er sagte am Montag: "Afrin wird abgeschlossen. Es gibt keinen Schritt zurück aus Afrin". Das habe die Türkei gegenüber Russland und Amerika sowie anderen Koalitionspartnern deutlich gemacht.

Sigmar Gabriel zeigte sich am Montag in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu besorgt über eine mögliche Eskalation der Lage und humanitäre Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Inwieweit es in dem Gespräch auch um einen Einsatz deutscher Leopard 2-Panzer bei der Offensive ging, teilte das Ministerium nicht mit.

Die türkische Armee will nach den Worten Erdogans nach dem Ende der Offensive nicht in Afrin bleiben. In der Region kam es weiter zu heftigen Gefechten. Anadolu meldete, türkische Truppen seien am Montag gemeinsam mit Kämpfern der Freien Syrischen Armee weiter gegen die YPG vorgerückt, die Afrin kontrolliert. Türkische Artillerie habe erneut YPG-Stellungen beschossen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte dagegen kurdische Angaben, nach denen zuvor verlorene Posten am Montagmorgen aus den Händen der Türken und mit ihnen verbündeten Rebellen zurückerobert wurden.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle starben bei den Gefechten um die Enklave 54 Kämpfer auf beiden Seiten. Darunter seien 26 Kurden und 19 protürkische Rebellen, neun Leichen blieben unidentifiziert.

Der türkische Außenminister Cavusoglu warf der YPG vor, diese "täusche die Welt mit Unsinns-Propaganda und haltlosen Lügen, indem sie neutralisierte Terroristen als Zivilisten darstellt. Sie nutzen Zivilisten als menschliche Schutzschilde." Es gehe bei der Offensive ausschließlich um die Bekämpfung von Terroristen.

Die von der Türkei am Samstag begonnene Offensive "Olivenzweig" richtet sich gegen die mit den USA verbündeten kurdischen Volksschutzeinheiten YPG in der Enklave Afrin. Die Regierung in Ankara sieht in der YPG den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei, aber auch in der EU und in den USA als Terrororganisation eingestuft ist. Die USA hatten vor Beginn der Offensive am Samstag an die Türkei appelliert, davon abzusehen.

Dass die Türkei bei der Offensive offensichtlich deutsche Panzer einsetzt, ist keine Überraschung. Deutschland hat dem Nato-Partner seit den 1980er Jahren 751 Leopard geliefert. 354 davon sind vom deutlich moderneren Typ "Leopard 2", die bereits zuvor von der Türkei im Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) eingesetzt wurden.

Bei dem Einsatz wurden nach Angaben Gabriels eine Reihe Panzer von Minen zerstört und mehrere türkische Soldaten getötet. Deswegen wünscht sich die Türkei von Deutschland eine Nachrüstung mit Minenschutz. Gabriel hat Cavusoglu vor zwei Wochen eine Prüfung zugesagt. "Da muss ich ganz offen sagen, sehe ich keine richtige Argumentation, warum wir das verweigern sollten», sagte er damals in der ARD. Er wolle keine Debatte in der Türkei erleben, «dass türkische Soldaten im Kampf gegen den IS (...) deshalb sterben, weil wir nicht bereit waren, Panzerschutzinstrumente gegen Minen zu liefern."

Grüne und Linke sind strikt dagegen. "Es darf keine Nachrüstung türkischer Panzer durch Rheinmetall geben, und auch sonstige Kooperationen auf militärischer Ebene, auf Verteidigungsebene, sollten sofort unterbunden werden", betonte Grünen-Chefin Simone Peter. Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht sagte der "Heilbronner Stimme": "Merkel und Gabriel dürfen Erdogan nicht noch Beihilfe für seinen Krieg gegen kurdische Anti-IS-Kämpfer in Syrien leisten."