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Geburtenkontrolle für Belgiens Katzen

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Geburtenkontrolle für Belgiens Katzen

Sex ja - aber ohne Folgen!
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Von Alexander Saeedy

Neue Gesetze in Belgien schreiben vor, dass fast alle zwei Millionen Katzen im Land sterilisiert werden müssen, um die Überzahl der Streuner besser in den Griff zu bekommen. Damit wird Belgien zum ersten Staat der Welt, der seine Bürger verpflichtet, ihre Katzen zu registrieren und zu sterilisieren.

In dem Land, in dem Katzen einst im Rahmen eines seltsamen Experiments Ende des 19. Jahrhunderts die Post auslieferten, werden jährlich fast 30.000 Katzen ausgesetzt. Die Hälfte wird angesichts der überfüllten Tierheime eingeschläfert.

Um die Tierheime von dem zunehmenden Druck zu entlasten, schreibt die Regierung jetzt vor, dass alle neugeborenen Katzen sterilisiert werden müssen, bevor sie sechs Monate alt sind. Tiere, die ins Land gebracht werden, müssen ebenfalls sterilisiert werden, wenn sie dort länger als dreißig Tag bleiben sollen, und ältere auch - mit einer längeren Übergangsfrist.

Während andernorts ein paar Kommunalregierungen gesetzlich die Zwangssterilisation für Katzen eingeführt haben, ist Belgien einzigartig in der Welt, solche Maßnahmen auf nationaler Ebene zu ergreifen. Die Verordnung wurde zuerst im französischsprachigen Landesteil Wallonien eingeführt, trat in Brüssel Anfang des Jahres in Kraft und wird bis 2020 landesweit gelten.

"Der Sinn ist, die Überbevölkerung streunender Katzen auf den Straßen zu stoppen. Dennoch werden diese Maßnahmen sowohl für Haustiere als auch für Streuner gelten", erklärt Bianca Debaets, eine der drei Minister in Belgien, die das Gesetz anstießen.

Die Tierheime in Wallonien sind schon seit 2013 gesetzlich verpflichtet, streunende Katzen, die älter als sechs Monate sind, zu sterilisieren. Nun nehmen diese Maßnahmen ihren Weg nach Brüssel und Flandern.

"Im Sommer, wenn die Katzen in der Hitze draußen sind, werden bis zu einem Dutzend Tiere pro Tag bei uns abgegeben. Das bringt uns an unsere Grenzen. Wir hoffen wirklich, dass diese neuen Regeln Früchte tragen", sagt Lauren, Pflegerin im Veeweyde-Tierheim von Anderlecht, einer Gemeinde im Westen der Region Brüssel-Hauptstadt.

Die belgische Regierung plant nicht, direkt zu kontrollieren, ob die Bürger den neuen Pflichten auch nachkommen. Aber Katzenbesitzer werden ihrem Haustier einen elektronischen Chip verpassen müssen. Diese Chips dienen den Tierärzten als digitales Register, mit einer zentralen Datenbank namens CatID. "Seit Registrierung und Identifizierung Pflicht sind im ganzen Land, kann die Sterilisation in dieser Datenbank zertifiziert werden", so Debaets.

Nach und nach

Es scheint bislang allerdings, dass es die Belgier nicht eilig haben mit der Umsetzung der neuen Vorschriften: In der CatID-Datenbank sind nur 14.882 Katzen verzeichnet, ein Anteil von 0,7 Prozent an der geschätzten Zahl aller Katzen im Land.

Wer sich den Vorschriften widersetzt, riskiert 50 Euro Bußgeld, und bei Widerstand über mehrere Jahre hinweg können es bis zu 10.000 Euro Strafe werden.

Doch trotz der anfänglich niedrigen Zahl von Registrierungen berichten die Tierärzte, dass sie einen langsamen, aber steten Anstieg bei der Nachfrage der Besitzer nach Sterilisation und Registrierung bemerkten.

"Seit das Dekret in Kraft trat, kommen mehr und mehr Leute und fragen, ob ihre Katzen sterilsiert oder kastriert werden können. Sie haben Angst, dass die Katzen, falls sie weglaufen, sehr lange im Tierheim bleiben müssen, um auf die Sterilisation zu warten", sagt Emmanuel Denis, Tierarzt aus der Stadt Namur in Wallonien.

Tierschutzvereine aus aller Welt haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die Sterilisation die einzige adäquate Antwort auf überfüllte Tierheime und Zwangseinschläferungen der wachsenden Zahl von Streunern sei. Damit ließe sich ein Gleichgewicht schaffen zwischen der Zahl der ins Heim eingelieferten Tiere und derer, die von Privatleuten aus dem Heim übernommen werden.

Gegner sorgen sich, dass der Staat sich zu sehr in die Fruchtbarkeit ihrer kleinen Lieblinge einmischt: "Die Politiker nehmen uns die Freiheit, eine Katze zu haben, ohne dafür Steuern zu zahlen und auch ohne genetische Kontrolle. Es würden doch nur wenige Katzen übrigbleiben, wenn jeder dieser Regel folgt, und die Regierung sollte uns und unsere Katzen in Ruhe lassen", meint Agnes Vandenschrick aus Mons.

In fünf Jahren soll die Verordnung auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.