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Parallelwelten und Dunkelheit: Was Stephen Hawking am Sterbebett prophezeite

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Parallelwelten und Dunkelheit: Was Stephen Hawking am Sterbebett prophezeite

Stephen Hawking starb am 14.03.2018  im Alter von 76 Jahren in Cambridge
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Nur wenige Tage bevor Stephen Hawking starb, stellte der berühmte Astrophysiker eine bahnbrechende mathematische Erklärung fertig, die es erlauben soll, die Existenz anderer Universen zu testen.

Hawking hätte schon vor langer Zeit den Nobelpreis gewinnen sollen

Thomas Hertog Pysiker, KU Leuven

Thomas Hertog, der Mitverfasser der Arbeit sagte Euronews, "A Smooth Exit from Eternal Inflation" (Ein sanfter Ausstieg aus der ewigen Inflation) detailliere Pläne für den Bau einer Sonde, mit dem die Existenz eines "Multiversums" nachgewiesen werden könne.

Kosmologen definieren dieses Phänomen als ein Ensemble von Universen, die parallel existieren. Hawkings Arbeit soll also beweisen, dass der Urknall ein Multiversum geschaffen hat und dass unser Universum nur eines von vielen ist.

Die verbesserte Version eines alten Modells

Es handelt sich "um eine verbesserte Version von Hawkings ursprünglichem, nicht grenzenlosem Modell des Urknalls", das er zusammen mit James Hartle bereits im Jahr 1983 vorlegte, so Hertog, Professor für theoretische Physik an der Universität KU Leuven in Belgien.

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Thomas Hertog und Stephen HawkingFacebook

Viele Jahre lang war unklar, welche Art von Universum aus dem Urknall hervorging. Doch Physiker erkannten allmählich, dass das Modell nicht nur eines, sondern unendlich viele Universen beschrieb.

Hawking war mit diesem ungelösten Rätsel nicht zufrieden: "Versuchen wir, das Multiversum zu zähmen", sagte er vor einem Jahr zu Hertog.

So machten sich die Wissenschaftler daran, eine Methode zu entwickeln, die die Idee eines Multiversums in einen kohärenten, prüfbaren wissenschaftlichen Rahmen bringt.

"In diesem Papier haben wir Stephens ursprüngliches Modell ohne Grenzen auf eine solidere mathematische Grundlage gestellt. Wir finden, dass dies das Multiversum auf eine überschaubare endliche Menge (von Universen) zu beschränken scheint. So soll das Modell getestet werden können.

Einige Kosmologen haben gegen das Multiversum argumentiert, weil es nicht getestet werden kann. Das neue Modell "zeigt jedoch, dass Beobachtungen in unserem eigenen Universum starke Beweise für die Existenz anderer Universen liefern können", so Hertog.

Irgendwann wird alles dunkel

Hawkings abschließende Theorie bietet nicht nur die aufregende Aussicht, Beweise für andere Universen zu finden. Sie macht auch die dunkle Vorhersage, dass das Universum irgendwann dunkel wird, wenn Sterne ihre Energie verlieren.

Viele Forscher sind der Meinung, die Veröffentlichung könne Hawking den Nobelpreis einbringen und bedauern, dass Hawking diese höchste Auszeichnung nicht miterleben wird, sollte es soweit kommen.

Hawking wurde mehrfach für den Preis nominiert, hat ihn aber nie gewonnen.

Nur zwei Wochen vor seinem Tod traf sich Hawking mit Hertog, um das Papier fertigzustellen und zur Veröffentlichung einzureichen.

Es wird derzeit überarbeitet und in Kürze in einer führenden wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht.

Nobelpreis überfällig?

"Meiner Meinung nach hätte Hawking schon vor langer Zeit mit dem Nobelpreis ausgezeichnet werden müssen", sagte Hertog und bezog sich dabei auf die berühmten Studien des Physikers über Schwarze Löcher und die Relativitätstheorie, die die Art und Weise, wie Menschen das Universum betrachten, revolutionierten.

Hawking starb im Alter von 76 Jahren in seinem Haus in Cambridge in der vergangenen Woche. Er hatte seit 1964 an einer seltenen Form der motorischen Nervenerkrankung ALS gelitten hatte.