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Die Frage, die russische Soldaten immer stellen

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Von Euronews  mit Twitter
Ein von Granatsplittern beschädigtes Auto in dem zurückeroberten Dorf in der Ostukraine
Ein von Granatsplittern beschädigtes Auto in dem zurückeroberten Dorf in der Ostukraine   -   Copyright  Leo Correa/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.   -  

Eine Bewohnerin von Pisky, einem kleinen Ort in der Ostukraine, der von den ukrainischen Streitkräften zurückerobert worden ist, sagt, die russischen Soldaten hätten immer wieder dieselbe Frage gestellt. 

"Wir saßen hier immer, sie haben uns in Ruhe gelassen", sagt eine ältere Frau auf einer Bank an der Dorfstraße in einem Video, das der Sender CNN auf Twitter veröffentlicht hat. 

Angriffe russischer Separatisten waren für die verbliebenen Einwohner:innen von Pisky, das 10 Kilometer von  Donezk entfernt ist, schon zur Gewohnheit geworden. Seit mehr als acht Jahren beschießen die Truppen der selbsternannten Volksrepublik Donezk den einst wohlhabenden Vorort der Kohle-Industriemetropole.  

Wo sind die Nazis?

Die Frau, die neben ihr auf der Bank sitzt, sagt: "Nazis, Nazis", hätten sie, die russischen Besatzer, immerzu gerufen, "Wo sind die Nazis?" 

Mit seiner "militärischen Spezialoperation", wie die Kriegshandlungen offiziell in Russland bezeichnet werden müssen, will der Kreml der Bevölkerung in seinem Nachbarland "helfen" und das Land "entnazifizieren". Mit diesen Informationen werden nicht nur die Menschen in Russland versorgt, sondern auch viele der Männer, die an die Front geschickt werden. 

Überall im Ort liegen die Körper von toten russischen Soldaten auf den Straßen. "Sinnlos verschwendete Menschenleben", sagt der Reporter in dem Video. Er zeigt ein Bankdokument in die Kamera, das einer der am Boden liegenden Toten bei sich trug. Darauf steht, dass er aus Sankt Petersburg stammte und in drei Tagen 21 Jahre alt geworden wäre.  

Tampons und Binden statt Verbandszeug

Und jetzt wird Nachschub kommen. Durch eine Teilmobilmachung rekrutiert Russland kampfbereite Männer im ganzen Land. Als "neues Kanonenfutter" und "zynischen Mord" am eigenen Volk hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj das am Montag in seiner allabendlichen Fernsehansprache bezeichnet. 

300.000 Reservisten sollen mit der von Kreml-Chef Wladimir Putin ausgerufenen Teilmobilmachung in die russische Armee eingezogen werden. Bis zu 15 Jahre Haft drohen Deserteuren bei Fahnenflucht. Land laut russischem Militär bereits Tausende Männer dem Aufruf zum Kampf gefolgt. Das Institut for Study of War in Washington spricht von einer schleppenden Rekrutierung

In den sozialen Netzwerken läuft gerade ein Video, dass eine offenbar erfahrene Soldatin beim Einweisen von Rekruten zeigen soll. Sie steht zwischen Betten und gibt einen kleinen Crash-Kurs mit Tipps zum Verhalten und Überleben an der Front.

Uniform als Ausrüstung, sonst nichts

Deutlich wird: Auf eine Ausrüstung können die Rekruten vergebens hoffen.

Für Hunderttausende neue Soldaten ist offenbar nicht genug Ausrüstung vorhanden. Nur eine Uniform bekommen die hastig Einberufenen, so die Soldatin in dem Video, mit etwas Glück noch ein paar Stiefel. 

Sie sagt zu den Reservisten in der Militärunterkunft: "Jetzt bitte nicht lachen", bittet eure Mütter und Freundinnen um Tampons und Binden!" Die billigen wären die besten. 

Bei Schussverletzungen könnten sie die Tampons in das Einschussloch schieben. Der Tampon würde in der Wunde bis an die Wundränder aufquellen und so Wunde verschließen. Die Damenbinden würden sich ebenfalls zur Versorgung von Wunden eignen. 

Als weiterer Tipp werden Erst-Hilfe-Kästen aus den Autos genannt. Rucksäcke, Schlafsäcke und Medikamente sollen die Rekruten ebenfalls selber beschaffen.  

US-Botschaft fordert Amerikaner:innen auf, Russland zu verlassen

Unterdessen bittet die US-Botschaft in Moskau amerikanische Staatsbürger:innen in Russland, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Der Grund für den Aufruf sei die Mobilisierung Russlands schreibt die Botschaft auf ihrer Website. 

"US-Bürger sollten nicht nach Russland reisen, und diejenigen, die in Russland wohnen oder reisen, sollten Russland sofort verlassen, solange begrenzte kommerzielle Reisemöglichkeiten bestehen", warnt die Botschaft.

Doppel-Staatsbürger könnten auch von der Mobilmachung betroffen seien und für die Armee eingezogen werden. 

Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Russland

Auch das Auswärtige Amt der Bundesregierung rät von Reisen nach Russland ab. "Von Reisen in die Russische Föderation wird abgeraten. Vor Reisen in die an die Ukraine grenzenden Verwaltungsgebiete (Belgorod, Kursk, Brjansk, Woronesch, Rostow, Krasnodar) wird gewarnt", heißt es 

Momentan seien direkte Auswirkungen von Putins Mobilisierung auf deutsche Staatsangehörige nicht erkennbar. "Sie sollten dennoch gründlich abwägen, ob eine Reise nach Russland derzeit erforderlich ist."

"Deutsch-russische Doppelstaater müssen beachten, dass sie von den russischen Behörden ausschließlich als russische Staatsangehörige angesehen werden. Die Botschaft kann ihnen keinen konsularischen Schutz gewähren."

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Weitere Quellen • CNN