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Renaissance einer Kulturhauptstadt Europas im 21. Jahrhundert

Renaissance einer Kulturhauptstadt Europas im 21. Jahrhundert
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Battilomo/Centola/Danzi/Polici
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Auf einer süditalienischen Piazza im Schatten eines Klosters aus dem 13. Jahrhundert versammeln sich an einem klaren Wintertag die Einheimischen, um ein visionäres Bauwerk zu errichten. Obwohl das erdfarbene Gebäude aus Pappe besteht, müssen alle mit anpacken.

Die Dorfbewohner stellen das von Künstler Olivier Grossetête entworfene Gebäude Pappstein für Pappstein mit bloßen Händen auf. Dieses kulturelle Engagement der Einwohner zieht sich durch die gesamte Geschichte der Erneuerung Materas – einer Kulturhauptstadt Europas 2019.

Das Papp-Monument wurde im Rahmen der Feierlichkeiten im vergangenen Jahr im Vorfeld von Matera 2019 gebaut – und erinnert an die Tradition der Stadt, zum Fest der Schutzheiligen Madonna della Bruna einen Festwagen aus Pappmaché herzustellen.

In dieser Stadt, in der sich das neolithische und das digitale Zeitalter verbinden, werden auch die Ausstellungen und Veranstaltungen im Laufe dieses Jahres von der Gemeinschaft getragen, die damit der Welt den Zugang zu ihrer Kultur der Neuerfindung eröffnet.

Die Bewohner von Matera führen unter anderem das Purgatorio auf - eine Hommage an Dante Alighieri, inspiriert von seiner Dichtung Die Göttliche Komödie aus dem 14. Jahrhundert.

© Battilomo/Centola/Danzi/Polici

Etwa 200 Einheimische wirken außerdem an einer Freiluft-Produktion von Pietro Mascagnis Cavalleria Rusticana mit, die in Zusammenarbeit mit dem Teatro San Carlo di Napoli, dem ältesten noch aktiven Opernhaus Europas, aufgeführt wird.

Eine Steinstadt in der Steinzeit

Matera schmiegt sich in den Spann des „Stiefels" in Italiens Basilikata-Region und ist in erster Linie für die Sassi – in den Abhang gebaute 9000 Jahre alte Steinhäuser – bekannt. Diese atemberaubende Kulisse verhalf dem Ort 1993 zu einem Platz auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

Matera 2019 beginnt mit der Ausstellung Ars Excavandi, die der Bedeutung der Felsenkunst, Architektur und Archäologie in der Stadt gewidmet ist. Auf einer Art Erlebnisreise vom Paläolithikum bis ins 21. Jahrhundert erkunden Besucher verschiedene Stätten in Matera – darunter die unterirdischen Stadtkammern – sowie faszinierende Felsstädte auf verschiedenen Kontinenten.

Das Exponat Schichtenkunde – Beobachtung des Anthropozäns behandelt ein neues geologisches Zeitalter nach der Zeit des Holozäns sowie Änderungen der Ressourcen auf der Erde und menschliche Aktivitäten. Es bietet außerdem einen Einblick in die frühen Siedlungen von Matera, einer der ältesten durchgehend bewohnten Städte der Welt, und endet mit einem Sprung zum aktuellen Forschungsstand der Erdbeobachtung.

Der uralten Steinkulisse der Sassi hat Matera auch den Beinamen „das zweite Bethlehem“ zu verdanken – eine Tatsache, die auch Filmemachern nicht entgangen ist. Die Stadt diente unter anderem als Drehort für Die Passion Christi und Morgan Freemans Ben-Hur-Remake aus dem Jahr 2016.

Die doppelte Renaissance

Städte wie Florenz, Rom, Mailand und Venedig gelten als Inbilder der Renaissance, aber Gemälde, Skulpturen, Bücher, Wandteppiche, Karten und weitere Schätze aus anderen Teilen Südeuropas eröffnen einen neuen Blick auf die Epoche.

© Battilomo/Centola/Danzi/Polici

Mit Hilfe von 180 Kunstwerken beleuchtet die Ausstellung Die Renaissance – aus dem Süden betrachtet die lebendigste Epoche der westlichen Zivilisation anhand von Matera, Süditalien und anderen wichtigen Mittelmeer-Schauplätzen des 15. und 16. Jahrhunderts.

In Matera gibt es zwar eine Fülle an Relikten, von byzantinischen Fresken bis hin zu Statuen aus dem 17. Jahrhundert, aber in den 1950ern waren große Teile der Stadt baufällig. Der damalige italienische Premierminister ließ die rund 16.000 Einwohner kurzerhand in moderne Wohnhäuser in der Nähe verlegen. Sie hinterließen eine Geisterstadt aus Kalkstein, die ihrer Wiedergeburt harrte.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte regte sich allmählich der Geist der Erneuerung. In den 1980ern bot die Regierung Subventionen für die Sanierung Materas an, und junge, hochmotivierte Italiener zogen ein. Heimische Kunsthandwerker nutzten die kargen Höhlen als gewölbte Ateliers. Einige spezialisierten sich auf die Herstellung von Kuckuckspfeifen aus Ton.

So begann eine dynamische, moderne Renaissance, die sich in erster Linie dem Einsatz der Einwohner verdankte. Ihr Erfolg ist heute überall sichtbar, von Boutique-Hotels in alten Höhlen bis zu technischen Gründungszentren, Museen, Galerien und Wohnungen.

Das Programm Uralte Zukunft bei Matera 2019 umfasst…

Cosmic Jives/The Apollo Soundtrack — Elektronikmusiklegende Brian Eno verbindet optische Elemente mit Klängen von seinem Apollo-Album, das den 50. Jahrestag der Mondlandung von Apollo 11 feiert.

Poesie der Primzahlen — Ausstellung, Workshops und Konferenzen zeigen den Zauber der Mathematik, von Pythagoras und Galileo zu den Kunstwerken von M.C. Escher.

Lumen | Soziales Licht — 15 Lichtelemente in ganz Matera sollen die Besucher begeistern, die bei Workshops sogar ihre eigenen Beleuchtungen für die Stadt gestalten können.

Die Entstehung eines globalen Dorfes

Die Projekte von Matera 2019 spiegeln die einfallsreiche, sich ständig weiterentwickelnde Stadt und ihre Einwohner wider. Das I-DEA-Projekt veranstaltet fachübergreifende Kunstmessen, die sich auf das kulturelle, künstlerische und anthropologische Erbe der Basilikata konzentrieren und von italienischen und ausländischen Kuratoren gestaltet werden. Darüber hinaus wird der in den 1950ern forcierte Umzug aus der Sassi in einer Originalproduktion mit mündlichen Überlieferungen verewigt.

© Open Design School - Matera 2019

Ein weiteres wichtiges Projekt, die offene Design-Schule, dient als Kreativlabor, in dem Einwohner und ausländische Teilnehmer Ideen über Kunst, Wissenschaft und Technologie austauschen können, um zur Planung und Durchführung von Matera 2019 beizutragen.

© Open Design School - Matera 2019

Besucher können als „Temponauten“ – gewissermaßen ehrenamtliche Entdecker – Teil der Stadt werden. Interessierte Gäste können einen Matera-2019-Pass mit zeitweiliger Staatsbürgerschaft erwerben, der ihnen 365 Tage lang Zugang zu allen Produktionen, Veranstaltungen und Ausstellungen eröffnet.

Die universelle Sprache der Musik wird am 19. Januar 2019 einheimische und ausländische Besucher bei der Eröffnungszeremonie vereinen, bei der regionale und globale Künstler auftreten.

Alleen, Hauptverkehrsstraßen und Plätze werden von den Klängen von Blaskapellen aus der ganzen Basilikata und anderen europäischen Kulturhauptstädten widerhallen.

Aber vielleicht sind es die Aktivitäten am nächsten Tag, die den Geist des kulturellen Engagements von Matera 2019 und der Vernetzung mit Menschen aus aller Welt am besten verkörpern.

Am 20. Januar treffen sich Bands aus der Region mit ausländischen Musikerkollegen zu gemeinsamen Aufführungen auf den jeweiligen Stadtplätzen in der gesamten Basilikata und schaffen so die inspirierende Atmosphäre eines wahrhaft globalen Dorfes.

Entdecken Sie weitere Veranstaltungen, die 2019 in Matera stattfinden.

Matera 2019 steckt voller Möglichkeiten, Verbindungen herzustellen und die reiche Kultur der Stadt gemeinsam zu würdigen…

Ka art — Ein Streifzug der Fantasie und der Geschichten; von Dialogen mit Schriftstellern und Künstlern bis zu Festessen mit Aufführungen der Bewohner.

Rivelation Revelation Rid — Sie können sich an einem Workshop beteiligen und einen Beitrag zum Umweltschutz leisten; dabei geht es unter anderem um den Gravina-Fluss.

Der Atlas der Emotionen — Erkunden Sie die Stadt mit Hilfe einer interaktiven Karte, die sich aus den Erinnerungen der Einwohner zusammensetzt.

Ehrenamtliche Helfer 2019 — Werden Sie ein wichtiger Teil von Matera 2019, indem Sie selbst mit anpacken.