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Barenboim & Mehta: Eine Freundschaft ohne Dissonanzen

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Barenboim & Mehta: Eine Freundschaft ohne Dissonanzen

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Frühling in Florenz: Der Auftakt zu Italiens berühmtestem Klassik-Festival: dem Maggio Musicale Fiorentino. Der “musikalische Mai” ist ein bedeutendes kulturelles und gesellschaftliches Ereignis.

Beim ersten Konzert in diesem Jahr macht Daniel Barenboim seinem Freund Zubin Mehta, dem Chefdirigenten des “Maggio”, ein persönliches Geschenk: Mehta wurde genau an diesem Tag 75. Zum Geburtstag bekommt er Liszts Klavierkonzert Nr. 2.

Eine langjährige Freundschaft verbindet die beiden. In den fünziger Jahren lernten sie sich kennen. Wer darf davon erzählen?

Barenboim lacht: “Er ist der Ältere … “

Mehta: “Das reibt er mir immer, wenn er kann, unter die Nase.”

Dann beginnt er zu erzählen: “Wir haben uns in Siena kennengelernt. Ich habe Barenboim beim Dirigieren beobachtet, bevor ich überhaupt mit ihm gesprochen habe. Er war zwölf Jahre alt. Ich kam in diesen dunklen Theaterraum und sah diesen kleinen Mann auf der Bühne Schumanns Symphonie dirigieren. Ich war sehr beeindruckt, ich wusste nicht, wie jung er war, ich dachte bloß, dass es ein sehr kleiner Mann ist.”

Barenboim: “Ein Zwerg, sag’s ruhig, das ist okay.”

Mehta korrigiert ihn: “Man sagt Kleinwüchsige… Ich dachte, er ist ein Kleinwüchsiger. So begann unsere Freundschaft, und sie hat nie nachgelassen, nie!”

Barenboim: “Wir haben uns in gewisser Weise gemeinsam weiter entwickelt. Ich glaube, wir hatten vieles gemein, was uns gar nicht bewusst war. Die Tatsache, dass keiner von uns beiden Europäer war…”

Mehta: “Aber was uns zusammenhält, ist unsere Liebe zur Musik, da gibt es keinen Zweifel – die Liebe zu dem, was uns ausmacht in diesem Leben.”

Dann erzählt er weiter: “Wir telefonieren mehr miteinander, als wir uns sehen. Wir sprechen über Musik, Musiker, Klatsch… Unsere Familien sind in den Jahren zusammengewachsen. Seine Frau spielt wunderschön Klavier und kocht für uns, und genauso kocht meine Frau für sie.”

Über seinen Freund Barenboim sagt er: “Das ist das Besondere an ihm: Sogar in diesem ‘etwas fortgeschrittenen’ Alter lernt er noch weiter neue Stücke. Nächstes Jahr, wenn wir seinen 70. Geburtstag feiern, wird er eine Weltpremiere spielen, die Elliot Carter für ihn geschrieben hat. Wir sind neugierige Leute! Und ich führe im Oktober eine Oper von Janacek auf, auch zum ersten Mal. Wir sind nicht zufrieden mit dem, was wir in unserer Jugend gelernt haben, wir polieren es immer wieder neu auf. Dieses Konzert hast Du doch auch erst in den letzten zwei Jahren gelernt…?” fragt er dann Barenboim.

Barenboim: “Das habe ich in diesem Jahr gelernt!”

Mehta: “In diesem Jahr – unglaublich!”

Liszts Consolation Nr. 3 rundete Daniels Hommage an seinen Freund Zubin ab.

Aus der “Consolation” und aus dem Klavierkonzert Nr. 2 von Franz Liszt hören Sie in dieser Folge von Musica Ausschnitte.