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Klavierspiel in Perfektion: Katia & Marielle Labèque

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Klavierspiel in Perfektion: Katia & Marielle Labèque

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Vier Hände, zwei Schwestern: Sie sind das bekannteste Klavierduo der Welt: Katia und Marielle Labèque aus dem französischen Baskenland. Auf ihrer Tour machten sie auch in Brüssel Station, wo sie mit dem Royal Flemish Philharmonic Orchestra konzertierten.

Die Schwestern spielen seit über 30 Jahren zusammen und ergänzen sich perfekt: Katia, der temperamentvolle Wirbelwind und Marielle, der ruhige, versonnene Gegenpol. “Das Gleichgewicht zwischen uns ist ein Wunder”, erklärt Katia Labèque. “Wir sind glücklich, unser Leben zu teilen. Deshalb erfüllt es uns auch so, zusammen Musik zu machen.” Marielle Labèque fügt hinzu: “Wir teilen wirklich alles. Glück wie Unglück, wir teilen die Musik, die Reisen. Wir haben wirklich viel Glück.”

Die Liebe zu ihrem Instrument haben die Schwestern von ihrer italienischen Mutter, einer Pianistin, in die Wiege gelegt bekommen. Nach ihrem Klavier-Studium entschlossen sie sich, einen gemeinsamen Weg einzuschlagen. Als Klavierduo aufzutreten, ist eine Herausforderung, denn man sieht die Hände des anderen nicht. Deshalb muss ein Duo lernen, gemeinsam zu atmen und den Rhythmus zu spüren. Marielle Labèque: “Nach so vielen Jahren, die wir nun zusammen spielen, ist es schön, dass wir eine gewisse Freiheit erlangt haben. Es ist nicht mehr so wie am Anfang, als unser Spiel wie bei vielen anderen Duos sehr mechanisch und steif war, weil wir zu viel daran gedacht haben, auch ja zusammen zu spielen, so wie nach einem Metronom. Manchmal ist es besser, ein Risiko einzugehen und zu lernen, zusammen zu atmen.”

Das Repertoire für zwei Klaviere und Orchester ist begrenzt. Deshalb haben die Schwestern eine eigene Stiftung gegründet, die die Recherche nach Repertoire fördert. Aber ein Stück begleitet sie bereits seit Beginn ihrer Karriere: Francis Poulencs Doppelkonzert in d-Moll. Der Franzose, der das Konzert 1932 komponiert hat, mixt Einflüsse aus verschiedenen Stilen – vom französischen Varieté bis hin zu fernöstlichen Klängen.

Marielle Labèque: Es ist ein sehr schönes Stück, das mir unglaublich viel Energie gibt. Poulenc selbst sprach von Größe, Energie und Gewalt. Letzteres finde ich nicht, aber Energie stimmt. Es ist unglaublich gut komponiert. Es ist sein Stil. Das heißt, er nutzt die Akkorde von anderen Komponisten, ein bisschen Mozart, Strawinsky, ein bisschen Ravel, aber er hat auch seine eigene Sprache geschaffen.” Katia Labèque fügt hinzu: “Es ist sehr gefühlvoll, empfindsam und poetisch, humorvoll, aber nie schwerfällig, oder pompös.”

Die Labèque-Schwestern sind auf allen großen Konzertbühnen der Welt zu Hause, aber vor einer Herausforderung stehen sie jedes Mal aufs Neue: Das Klavier ist immer ein anderes: “Jeden Abend müssen wir uns an ein neues Instrument gewöhnen”, erzählt Katia Labèque. “Das ist schwierig und dann ist das Klavier riesig. Es ist ein großes schwarzes Tier. Man kann es nicht wirklich in die Arme schließen. Aber metaphorisch gesprochen, tut man es am Ende doch.”

Die Labèque-Schwestern arbeiten nicht nur zusammen, sie leben auch gemeinsam in einem barocken Palazzo in Rom. Katia Labèque: “Nach all den Jahren ist es ein Wunder, dass wir immer noch den Wunsch haben, zusammen zu spielen. Das ist immer wieder die größte aller Überraschungen.”

In diesem Beitrag hören Sie Auszüge aus Francis Poulenc: Konzert für zwei Klaviere und Orchester d-Moll.

Weitere Ausschnitte (auf französisch) unseres Interviews mit Katia and Marielle Labèque finden Sie hier: http://fr.euronews.net/2011/12/21/interview-avec-les-soeurs-labeque