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Christiane Amanpour: USA hoffen auf "weiter so" mit Hollande

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Christiane Amanpour: USA hoffen auf "weiter so" mit Hollande

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Nial O’Reilly
euronews:
US-Präsident Barack Obama war einer der ersten, der Francois Hollande zum Wahlsieg gratulierte. Aber welche Beziehungen wird Washington zu dem Mann haben, der dort “Mr. Normal” genannt wird? Wir sprechen nun mit der internationalen Korrespondentin und ABC-News-Anchor Christiane Amanpour.

Die Beziehungen zu Frankreich haben sich unter Sarkozy verbessert. Wird sich das Weiße Haus gegenüber Hollande misstrauisch zeigen, denn er ist ja noch ein Unbekannter – und dazu ein Sozialist…

Christiane Amanpour:

Die USA und Frankreich hatten in den acht Jahren Präsidentschaft von George W. Bush die meiste Zeit sehr angespannte Beziehungen – hauptsächlich wegen des Kriegs im Irak. Als Sarkozy gewählt wurde, normalisierte sich die Lage zwischen Frankreich und den USA.

Ich war übrigens dabei, als Präsident Sarkozy den damaligen Kandidaten Obama im Sommer 2008 empfing. Derzeit sind die Amerikaner an bessere, kooperative Beziehungen zu Frankreich und der französischen Führung gewöhnt. Sie hoffen ganz klar, dass es so weitergeht unter Präsident Hollande.

Nial O’Reilly,
euronews:
Sarkozys stabile Außenpolitik wurde von den Amerikanern gelobt, besonders die französische Führungsrolle in Libyen.
Hollande kündigte bereits an, frühzeitig Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Denken Sie, das Weiße Haus befürchtet neue Spannungen in der Außenpolitik?

Christiane Amanpour:

Ich glaube, man hofft, dass der neue Präsident Hollande die französische Linie beibehalten wird. Sei es beim Thema Iran, sei es beim Thema Syrien. Es genügt wohl festzustellen, dass die USA darauf ein Auge haben werden. Es kommt nicht unerwartet, dass die Soldaten aus Afghanistan abgezogen werden. Selbst die USA beschleunigen diesen Schritt, ob sie es nun sagen oder nicht. Laut offizieller Linie werden alle ausländischen Soldaten bis Ende 2014 abezogen sein.

euronews:
Da die europäische Schuldenlast weiter die amerikanische Wirtschaft belastet: Wie besorgt sind die USA angesichts von Hollandes Anti-Sparpolitik?

Christiane Amanpour:
Die Regierungen wurden von der Wirtschaftskrise überrumpelt. Und die Medizin, die verabreicht wird, macht den Patienten nur noch kränker.
Wird es mehr Wachstum geben? Ich glaube, das ist die echte Frage. Wir dürfen nicht vergessen, dass die EU Amerikas größter Handelspartner ist und dass der kalte Wind aus Europa auch die Wirtschaft hier beeinflusst. Präsident Obama steht vor Wahlen und das letzte, was er braucht, sind weitere schlechte Nachrichten aus der Wirtschaft.

euronews:
Das ist die Sicht des Weißen Hauses. Was denken die amerikanischen Bürger? Sie sorgen sich um die eigene Präsidentschaftswahlen, aber welche Gefühle verbinden sie mit Frankreich? Die Zeit, in der in Amerika gegen Frankreich agitiert wurde, sind lange vorbei. Doch wie würden Sie die Sicht der Amerikaner auf Frankreich beschreiben und ändert die Wahl etwas daran?

Christiane Amanpour:
Ganz allgemein menschlich betrachtet freuen sich die US-Bürger, dass sich die Beziehungen in den vergangenen 7 Jahren normalisiert haben. Sie wollen, dass das in den kommenden 5 Jahren so weitergeht. Präsident Sarkozy war sehr hart. Mit Großbritannien hat er die Nato in den Libyen-Feldzug geführt, das war keine US-Initiative. Amerika hat nur versteckt agiert, weil die Amerikaner genug vom Krieg haben. Deshalb waren sie so vorsichtig. Sie wollen nicht, dass ein anderer französischer Präsident einen neuen Krieg beginnt, und sie wollen nicht in neue Kriege hineingezogen werden. Also warten wir ab und sehen, wie sich die Dinge entwickeln.