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Ägypten: Chaos vor der Wahl

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Ägypten: Chaos vor der Wahl

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Rund 52 Millionen Ägypter sind Samstag und Sonntag aufgerufen einen neuen Präsidenten zu bestimmen. Nachdem am Donnerstag das Verfassungsgericht die Parlamentswahl für ungültig erklärt hat, ist die Stimmung angespannt. Muslimbrüder und die USA fürchten einen Putsch des Militärs. Die Sicherheitsvorkehrungen vor dem Urnengang wurden verschärft.

In der Stichwahl tritt Mubaraks letzter Ministerpräsident Ahmed Schafik gegen den Kandidaten der Muslimbruderschaft Mohamed Mursi an. Schafik hatte im ersten Wahlgang knapp die Nase vorn gehabt. Doch für viele Ägypter ist die Wahl zwischen einem Vertreter der alten Garde und einem Islamisten eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Und sie sind sich überhaupt nicht sicher, wieviel Macht der Hohe Militärrat dem neugewählten Präsidenten überhaupt zugestehen wird.

euronews: Wir haben bei uns aus Kairo unseren Korrespondenten Riad Muasses, der die neuesten Entwicklungen verfolgt hat. Wie ist die Stimmung derzeit in Ägypten, oder besser gesagt, was sind die Positionen der Ägypter am Tag nach der Auflösung des Parlaments durch den Verfassungsgerichtshof?

Riad Muasses, euronews Kairo: Die aktuelle Situation in Ägypten ist, dass die Bevölkerung geteilt ist; die eine Hälfte ist für Ahmed Shafik, oder was wir als das alte Regime bezeichnen können, und die andere ist gegen das alte Regime und die Entscheidung des Verfassungsgerichts. So oder so, wegen des Fehlverhaltens von der Muslimbruderschaft seit den Parlamentswahlen verblasst die Begeisterung an der Revolution. Während der andere Teil, der die Fäden zieht, der Hohe Militärrat, meines Erachtens intelligent gehandelt hat. Zuerst mit dem Prozess, durch den viele Funktionäre des alten Regimes entfernt wurden und dann mit der Parlamentsauflösung am Donnerstag. Die Auflösung das Parlaments ist ein schwerer Schlag gegen die Muslimbrüder, die das Parlament dominieren.

Wir wissen sehr gut heute, dass das Hohe Militärrat ein wichtiger Akteur im politischen Spiel in Ägypten ist. Gestern zum Beispiel, hat die ägyptische Armee Flugblätter verteilt, die die Menschen auffordern, abzustimmen. Sie waren von “der Rechtsabteilung der Streitkräfte” unterzeichnet, was bedeutet, dass sie eindeutig eine wesentliche Rolle in diese Wahlen spielen. Das ärgert einen Großteil der ägyptischen Bevölkerung, die nicht zum alten Regime zurückkehren will.

euronews: Sogesehen, was sind die Aussichten für Ägypten?

Riad Muasses, euronews Kairo: Derzeit wird davon ausgegangen, dass, wenn Mohammed Mursi – der Kandidat der Muslim-Bruderschaft – die Wahl gewinnt, er ein “symbolischer” Präsident wird. Wenn Ahmed Shafik und mit ihm der Hohe Militärrat und alle militärischen Kräfte des alten Regimes gewinnen, werden sie ihm unterstützen, und wir werden eine Regierung bekommen, die die Rückkehr des alten Regimes fördern wird.

Auf den Straßen fanden wir heute erhebliche Bedenken in Bezug auf die mögliche Rückkehr des alten Regimes. Wir stellen auch ausländische Besorgnis fest, denn es wird wahrscheinlich Auseinandersetzungen und massiven Demonstrationen.