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Die Begegnung des italienischen Jazzpianisten Stefano Bollani mit Maurice Ravel

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Die Begegnung des italienischen Jazzpianisten Stefano Bollani mit Maurice Ravel

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Es ist ein bewegender Beginn: “Also sprach Zarathustra” von Richard Strauss. Am Dirigentenpult des römischen Auditoriums: Der Brite Daniel Harding. Er und das “Orchestra di Santa Cecilia” sind in Topform.
 
Aber das Highlight des Konzerts war der Auftritt des italienischen Jazzpianisten Stefano Bollani. Er spielte seine Interpretation von Maurice Ravel´s Klavierkonzert in G-Dur. “Außer dem zweiten Satz ist das Werk sehr energiegeladen. Es ist voller Akzente und vieler Details – das war Ravels Aufassung von Jazz. Dabei geht es nicht so sehr um die Improvisation, sondern mehr um die unregelmäßigen Akzente. Diese klingen wie eine amerikanischen Big Band. Es ist also kein Zufall, dass dieses Werk geschrieben wurde, nachdem Ravel in Amerika gewesen ist und dort Jazz mit eigenen Ohren gehört hat.”
 
Stefano Bollani weiter: “Ravel wurde von seinem in Anführungsstrichen “Freund” Strawinsky als “Schweizer Uhrmacher” bezeichnet. Er arbeitete an jedem Detail akribisch und blieb dabei unvoreingenommen. Natürlich sollte man es nicht auf eine kühle Art und Weise interpretieren, aber man kann eine kleine Eisschicht hinzufügen. Das würde Ravel entsprechen und er würde es sicher mögen. Er wird oft als Komponist der Romantik bezeichnet. Meiner Meinung nach ist die honigsüße Zutat der Romantik in Ravels Musik nicht enthalten.”
  
Was hält ein weltbekannter Chefdirigent wie Daniel Harding von einem Jazzmusiker wie Bollani, der ein klassisches Stück interpretiert? Daniel Harding dazu: “Was ich sehr schätze, ist seine unprätentiöse Art das Stück zu spielen. Er liebt die Musik und hat ein sehr gutes Gefühl für diese unnachgiebige Energie – wie im zweiten Akt. Mit dieser wunderbaren harmonischen Stelle. Er hat natürlich als Jazzmusiker ein fantastisches Gehör für Harmonien. Seine Herangehensweise ist vielleicht nicht diesselbe wie unsere. Diese kindliche Ehrlichkeit mit der er sich dem Werk nähert, hat etwas Schönes an sich. Er spielt das Stück so, dass ich mich in dieses verliebe. Das ist fantastisch!”
 
Stefano Bollani: “Wenn wir über dieses Konzert sprechen, bezieht sich jeder auf den zweiten Satz, der sicherlich am wenigsten jazzig ist. Er ist für den Pianisten aber am schwersten zu spielen. Wenn man sich die Partitur anschaut, sieht man das nicht, aber es schwierig diese Spannung die ganze Zeit zu halten. Genau hier möchte ich meine Eisschicht einfügen, weil das Mozart sehr ähnelt. Die Musik ist so schön, dass die Gefahr besteht, sich gehen zu lassen und alles “cantabile“zu spielen. Man muss präzise aussuchen, an welcher Stelle man das Publium und sich selbst bewegen möchte.”

In diesem Beitrag können Sie folgende Auszüge hören:

Richard Strauss: “Also sprach Zarathustra”

Maurice Ravel: Klavierkonzert in G-Dur

Ein besonderer Dank geht an das Hotel de Russie, das uns ermöglichte, dort das Interview mit Chefdirigenten Daniel Harding zu führen.

Um weitere Auszüge aus unserem Interview mit dem Pianisten Stefano Bollani, klicken Sie bitte auf folgenden Internetlink: Intervista (con bis) con Stefano Bollani