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Autoverkäufe in Europa gehen weiter zurück

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Autoverkäufe in Europa gehen weiter zurück

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Der europäische Automarkt schlittert immer tiefer in die Krise. Im Juni gingen die Neuzulassungen in der EU bereits den neunten Monat in Folge zurück, wenn auch das Minus nicht ganz so stark ausfiel wie in den vorhergegangenen Monaten. Nach Ländern betrachtet verzeichneten Deutschland und Großbritannien sogar Zuwächse, während der Markt in Italien und Griechenland regelrecht einbrach. Schon im ganzen Jahr 2012 gingen die Autoverkäufe in Europa sukzessive zurück. Verantwortlich dafür ist natürlich die Eurokrise, die vor allem Südeuropäern die Lust am Autokauf gründlich zu verderben scheint.
 
Zu den größten Verlierern gehört der deutsche Hersteller Opel. Sein Absatz schrumpfte um mehr als 12 Prozent, ähnlich wie schon im Mai. Auch die Franzosen kamen nicht ungeschoren davon: Peugeot Citroën verzeichnete minus 8,3 Prozent, bei Renault waren es minus 3,7 Prozent. Und der italienische Hersteller Fiat musste gar einen Rückgang von fast 18 Prozent schlucken. Nur der japanische Autobauer Toyota konnte seinen Absatz deutlich steigern – um mehr als 20 Prozent.
 
Gewinne machen Autohersteller zumeist außerhalb von Europa
 
euronews
In Brüssel sprechen wir mit Ivan Hodac, Generalsekretär der Vereinigung der Automobilhersteller Europas. In der vergangenen Woche hat Peugeot-Citroen den Abbau von tausenden Arbeitsplätzen in Frankreich verkündet. Ist so etwas auch anderswo in Europa in naher Zukunft zu erwarten?
 
Ivan Hodac
Ich weiß nicht, was wir in nächster Zukunft zu erwarten haben. Aber wenn man sich den Markt im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 anschaut, dann ist da ein Minus von 7%. Betrachtet man die letzten vier Fünftel des Jahres, dann sieht man einen Rückgang auf dem europäischen Markt von 15 Millionen auf ungefähr 12 Millionen Autos. Ich wäre also überrascht, wenn es nicht ähnliche Ankündigungen in nächster Zukunft geben würde.
 
euronews
Offensichtlich wirkt sich die Krise bei einigen Herstellern sehr negativ aus. Den Deutschen scheint es aber besser zu gehen als anderen. Wie erklären Sie das?
 
Ivan Hodac
Das ist nicht leicht zu erklären. Aber die Hersteller, die Gewinn machen, tun das außerhalb von Europa. Sie sind auf den profitablen Märkten präsent wie USA, China, heute auch Russland, Brasilien. Ihnen geht es besser als jenen, die den Großteil ihrer Produktion in Europa verkaufen. Wenige Hersteller machen heute in Europa wirklich Gewinn, das ist wohl die Antwort auf Ihre Frage.
 
euronews
Hat das mit mangelndem Geschäftssinn zu tun?
Oder gibt es in Europa nicht genug Hilfe von der Politik?
 
Ivan Hodac
Ich glaube, es geht weder um politische Hilfe noch um besseren Geschäftssinn. Ich denke, der Markt reagiert zyklisch. Ich habe immer gesagt, das Problem liegt innerhalb von Europa und nicht außerhalb. Am globalen Markt geht es aufwärts. In China und den USA werden immer mehr Autos verkauft. Alle Hersteller haben ein Problem mit den Kosten in Europa. Bei der ganzen Sache spielt die Wirtschaftskrise eine wichtige Rolle. Wenn der Absatz von 15 auf 12 Millionen Fahrzeuge in einem Jahr zurückgeht, dann hat man ein Problem. Einige Hersteller haben jetzt Schwierigkeiten mit Überkapazitäten.
 
euronews
Was brauchen wir in Europa? Sie sprachen von weniger Regulierung. Wie meinen Sie das genau?
 
Ivan Hodac
Ich habe “sensible Regulierung” gesagt. Es denke, es hat keinen Sinn in Europa die strengsten CO-2-Auflagen der Welt zu haben. Dazu gehören Freihandelsverträge, die die EU mit anderen wichtigen Ländern aushandeln muss, die Autos bauen. Diese Länder wollen mehr und unter besseren Bedingungen in die EU exportieren. Wenn wir mit ihnen nicht konkurrieren können, wenn wir nicht den gleichen Zugang zu ihren Märkten haben wie sie zu unseren, dann wird das negative Auswirkungen haben.
 
euronews
Wird es schwierig für die EU, ihre Vorschläge zu weniger CO-2-Ausstoß bis 2020 einzuhalten?
 
Ivan Hodac
Ich denke, da ist 1995 etwas unverrückbar in Stein gemeißelt worden, was sich als äußerst anspruchsvoll erweist. Die Industrie wird die Ziele wahrscheinlich erreichen, aber wie so oft steckt auch hier der Teufel im Detail. Es wird davon abhängen, wie die Ziele am Ende genau definiert werden, wie die Modalitäten und die Bedingungen am Markt sein werden. Wir können die bestmögliche Technologie haben, die effizientesten Autos – solange die Verbraucher die nicht kaufen wollen, hilft das alles nichts.