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Nach dem Deal ist vor dem Deal: Wie geht es weiter für EADS und BAE Systems?

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Nach dem Deal ist vor dem Deal: Wie geht es weiter für EADS und BAE Systems?

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Die Fusion zwischen EADS und BAE Systems ist geplatzt – und schuld daran war wohl vor allem die Politik: Das Tauziehen zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien über die Frage, wer am neuen Unternehmen wieviele Anteile halten sollte, brachte das ganze Projekt zu Fall, für das EADS-Chef Thomas Enders zuvor eifrig die Werbetrommel gerührt hatte. Enders hat jedoch trotz des gescheiterten Deals die Rückendeckung des EADS-Managements, das ihm in einer Sitzung das volle Vertrauen aussprach. Nun kündigte Enders an, die Zukunft der gesamten EADS-Rüstungssparte auf den Prüfstand zu stellen.

Der Deal scheiterte an den komplizierten Eigentümerstrukturen bei EADS und BAE-Systems: Deutschland und Frankreich halten direkt oder indirekt jeweils 22 Prozent an EADS. Bei BAE Systems gibt es zwar keine staatlichen Großaktionäre, London hält jedoch eine Goldene Aktie, mit der die Regierung jede Fusion verhindern kann. “Der neue Konzern hätte in der Lage sein müssen, als kommerzielles Unternehmen zu handeln”, meinte der britische Verteidigungsminister Philip Hammond, “ohne Kontrolle oder Einfluss irgendeiner Regierung. Und offensichtlich hat man entschieden, dass dies nicht möglich sein würde.”

Mittlerweile hat sich auch Italien eingemischt und den Rüstungskonzern Finmeccanica als möglichen Partner für EADS ins Spiel gebracht. Für BAE Systems ist das Scheitern der Verhandlungen bitter – Experten halten es für möglich, dass der Konzern nun zum Übernahmekandidaten etwa für US-Konzerne werden könnte.

“Für EADS wird es nun schwieriger…”

Der EADS-BAE-Deal ist geplatzt. Aber warum eigentlich? Und was bedeutet das für die beiden Unternehmen? Euronews hat bei Dominique Dequidt von KBL Richelieu in Paris nachgefragt.

euronews:
Werfen wir einen Blick auf die gescheiterte Fusion zwischen EADS und BAE Systems. Aus beiden Unternehmen hieß es, Deutschland sei hauptverantwortlich für das Scheitern, aber die Gründe für die deutsche Blockade sind unklar. Was sind die tatsächlichen Hintergründe?

Dequidt:
Es sieht so aus, als ob Deutschland bei der Aufteilung der Verantwortlichkeiten etwas abseits stand und sich in den Hintergrund gedrängt fühlte. Das ist der erste Punkt. Der zweite Punkt ist, dass die Rüstungsabteilung von EADS größtenteils in Deutschland angesiedelt ist, in Manching bei München, und die Umstrukturierungspläne, die vor allem von British Aerospace forciert wurden, hätten Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet. Es scheint also, dass die Regierung die Fusion wegen der sozialen Risiken in Deutschland verhindert hat.

euronews:
Warum haben die Börsen die Fusion seit Beginn der Verhandlungen so schlecht aufgenommen? Und was hat die beiden Konzerne dazu gebracht, eine so große Herausforderung anzugehen?

Dequidt:
EADS ist heute zu 80 Prozent in der zivilen Luftfahrt tätig. Das ist ein Sektor, der zwar zyklisch ist aber dennoch wächst. Zu 20 Prozent engagiert sich EADS im Rüstungsbereich und damit ist es das genaue Gegenteil von BAE. Das EADS-Management wollte ein ausbalanciertes Unternehmen schaffen, das halb im zivilen und halb im militärischen Bereich tätig ist. Aber obwohl die Aussichten für die zivile Luftfahrt stabil sind und der Sektor sich derzeit, was die Gewinne betrifft, im Aufwind befindet, haben die Börsen befürchtet, dass das Wachstum von EADS gebremst werden könnte, dass die Gewinne von EADS von den schwächeren Profiten von BAE quasi aufgezehrt werden könnten. BAE kämpft mit Einsparungen im US-Verteidigungsbudget und mit Kürzungen in Zusammenhang mit dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan und dem Irak.

euronews:
Hat sich nun, mit dem Ende der Verhandlungen und dem Scheitern der Fusion, die Tür zum US-Markt für EADS geschlossen?

Dequidt:
EADS hat in der Konzernmitteilung nach dem Scheitern der Gespräche die Tür für eine mögliche Zusammenarbeit mit BAE offen gelassen, eine Zusammenarbeit, die nicht auf kapitalistischen Strukturen, sondern auf Vereinbarungen basieren könnte. Daher ist die Tür zum US-Markt wohl noch offen. Aber es ist klar, dass es für EADS schwieriger sein wird, vor allem weil der Konzern mit seiner Rüstungstochter in einer schwächeren Position ist als BAE, denn die Briten dominieren den europäischen Rüstungsmarkt.