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"Bei Fragen der Flugsicherheit hält die Branche zusammen"


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"Bei Fragen der Flugsicherheit hält die Branche zusammen"

Airbus hat gute Zahlen für 2012 vorgelegt – aber dennoch hat Rivale Boeing den europäischen Flugzeugbauer beim Marktanteil überholt. Mit Airbus-Chef Fabrice Bregier hat euronews-Reporter Antoine Juillard gesprochen.

euronews:
Wenn man sich die guten Zahlen von Airbus für 2012 ansieht, könte man meinen, die Pannenserie beim “Dreamliner” Ihres Rivalen Boeing ist ein Glücksfall für Airbus. Aber sehen Sie das wirklich so?

Bregier:
Nein, das ist kein Glücksfall. Wenn es um Fragen der Flugsicherheit geht, hält die Branche zusammen. Daher hoffe ich, dass Boeing die 787 sehr, sehr schnell wieder in die Luft bringt. Man muss verstehen, wie die Luftfahrtindustrie funktioniert: Es gibt Behörden, die die Sicherheit unserer Maschinen überprüfen und darum sind Flugzeuge eines der sichersten Transportmittel der Welt. Das gilt für Boeing und für Airbus.

euronews:
Trotz der guten Zahlen für 2012 liegt Boeing bei den Aufträgen und den Auslieferungen deutlich vorn. Damit hat Ihr US-Rivale sie nach mehreren Jahren vom Thron gestoßen. Welche Konsequenzen wird Airbus daraus ziehen?

Bregier:
Wir schließen daraus, dass 2012 ein sehr gutes Jahr war, besser als erwartet. Wir haben unsere Auslieferungen um 10 Prozent gesteigert, wir haben 588 Maschinen ausgeliefert. Daher sind wir zwar hinter Boeing zurückgefallen, aber wir bleiben trotzdem der Marktführer bei den Aufträgen – wir haben derzeit Aufträge für rund 4.700 Maschinen für sieben Produktionsjahre – und beim Auslieferungsrhythmus: Jahr für Jahr können wir unsere Auslieferungen an die Kunden immer weiter erhöhen.

euronews:
Inwieweit hat die Verlangsamung der Weltwirtschaft Auswirkungen auf die finanzielle Situation von Airbus?

Bregier:
Für uns ist es besonders wichtig, dass wir Bestellungen aus allen Regionen der Welt haben. China und Asien sind unsere stärksten Wachstumsmärkte und damit sind wir nicht von der Wirtschaftsentwicklung einer bestimmten Gegend wie Europa oder den USA abhängig. Natürlich ist das Wachstum der Weltwirtschaft für uns wichtig, aber dieses Wachstum ist ja schon sichtbar. Und die Zahlen, die wir vorgelegt haben, sind stabil und ich denke nicht, dass es 2013 böse Überraschungen geben wird.

euronews:
13 Jahre nach seiner Markteinführung gelten nur mehr 257 Bestellungen dem A380. Wann wird es Ihrer Meinung nach eine Lösung für das Problem der Haarrisse an den Tragflächen geben, wann werden die Verkäufe wieder zulegen?

Bregier:
Das Problem der Haarrisse, die man bei der Wartung der Maschinen Anfang 2012 entdeckt hat, ist gelöst. Wir haben die Ursache gefunden, wir haben daran gearbeitet und rund 100 Bauteile in den Flugzeugen werden derzeit nach und nach repariert, bis Ende 2014. Damit können wir die Ankündigung für unsere Kunden einhalten. Dieses Problem liegt also hinter uns. Es stimmt, dass die Verkäufe großer Flugzeuge im Augenblick etwas schwächeln, aber mit dem A380 gehen wir in die Offensive. Wegen des zunehmenden Flugverkehrs und der Größe der Flughäfen werden große Maschinen wie der A380 immer wichtiger.

euronews:
Sollen wir Ihnen also wünschen, dass Sie Boeing in diesem Jahr wieder überholen? Oder ist das für Sie nicht so wichtig?

Bregier:
Natürlich ist es uns wichtig, voranzukommen. Wir befinden uns auf dem Weg zum Erfolg, wir haben neue Ideen und Programme und wir steigern nach undnach unsere Gewinne. Aber ob wir in einem Markt, der jährlich um fünf Prozent wächst, vor oder hinter Boeing sind, ist eine marginale Frage.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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