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Samba beim Karneval in Rio - mehr als Musik

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Samba beim Karneval in Rio - mehr als Musik

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Eine ganze Nation schwingt in ihrem eigenen Rhythmus: Beim Karneval befindet sich Brasilien im Ausnahmezustand.

Den Takt gibt die Samba vor: Eine Musik, die hier entstanden ist, importiert von afrikanischen Sklaven, angereichert mit Rhythmen der Ureinwohner und der Tradition der europäischen Siedler.

Der Komponist und Musiker Gilberto Gil erklärt: “Die Essenz der Samba ist der Rhythmus. Es gibt natürlich auch andere Elemente, wie die Melodie oder die thematische Vielfalt, aber Rhythmus und Synkopierung sind die Hauptelemente der Samba.”

Samba ist ein Lebensgefühl: “Wenn Du nicht gut drauf bist oder nicht glücklich sein willst, dann ist das kein Ort für Dich, dann versuch was Anderes. Denn wenn Samba Dir nicht Glück und Freude bringt, zu einem Anlass wie diesem, bei dem Du diese wundervollen Kostüme trägst und einen bestimmten Charakter verkörperst, wenn Du da nicht glücklich bist, dann gehörst Du nicht hierher”, meint Junior Schall, Leiter einer Samba-Schule.

Gilberto Gil: “Die brasilianische Gesellschaft hat die Samba als Nationalmusik adoptiert. Und Rio de Janeiro ist Heimat einer ihrer vielen Spielarten: Es ist die Samba der Samba-Schulen, die Samba der Favelas.”

Der Karneval in der Stadt mit ihren atemberaubenden Aussichten und berühmten Stränden dauert nur ein paar Tage – die Vorbereitung dagegen zwölf Monate, mit harter Arbeit in den Samba-Schulen. Letztlich sind dies soziale Treffpunkte, die die Jugend aus den Slums genauso anziehen wie Profis aus dem Showbusiness. Eine von ihnen ist die Karneval-Designerin Rosa Magalhâes, deren Schule dieses Jahr beim Karnevals-Wettbewerb siegte.

“Eine Samba-Schule ist ein Ort, an dem Leute sich treffen und Zeit miteinander verbringen. Hier gibt es keine ökonomischen oder sozialen Verpflichtungen. Es ist ein offener Ort, man muss nicht reich oder arm sein, groß oder klein, es gibt Raum für jeden. Und ‘Schule’ ist bloß ein Begriff, tatsächlich ist es eher wie ein großer Verein”, erläutert sie.

Junior Schall: “Für uns sind die Festwagen wie Kinder für ihre Eltern. Diejenigen, die auf den Wagen tanzen, hauchen ihnen Leben ein, über ihre Seele, ihre Freude, über ihre Leidenschaft. So fühlen sich unsere, sagen wir, ‘Kinder’, geliebt und gehätschelt. Dann singen und tanzen unsere ‘Kinder’ die ganze Nacht lang, unsere ‘Kinder’ werden lebendig.”

Rosa Magalhâes: “Ich tanze nicht gut, ich singe total schief, ich kann nicht komponieren – aber ich weiß, wie ich das Leben genieße!”

Junior Schall: “Die Samba-Schulen sind Teil von Rios Zauber, unseres eigenen Zaubers – der nicht erklärt werden kann. Die Erklärung kommt, wenn man hingeht, zum Karnevalsumzug. Man muss dabei sein, zuhören, Samba tanzen, auf seine eigene Weise. Man muss nicht perfekt tanzen können, man muss nur seine Freude mit seinem Körper ausdrücken können.”