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Wer zündete die Bomben von Boston?

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Wer zündete die Bomben von Boston?

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Es begann als Sportveranstaltung und endete in Chaos und Verzweiflung. Wenige Meter von der Ziellinie des Boston Marathons entfernt detonierten zwei Bomben und töteten drei Menschen, mindestens 140 Personen wurden verletzt. Die Sprengsätze explodierten in kurzem zeitlichen Abstand.

“Ich habe veranlasst, dass die Bundesbehörden in voller Stärke den Ermittlern des Staates und der Stadt dabei helfen, die Bevölkerung zu schützen, wenn nötig die Sicherheitsmaßnahmen erweitern und herausfinden, was passiert ist”, sagt US-Präsident Barack Obama.

Auch am Dienstag blieben die Straßen rund um den Ort des Geschehens gesperrt. Ermittler suchen die Umgebung nach Spuren und Hinweisen auf mögliche Täter ab, die Zahl der Sicherheitskräfte in Boston und anderen Städten wurde erheblich erhöht. Die Bevölkerung müsse mit verstärkten Kontrollen rechnen, kündigte Deval Patrick, Gouverneur des Bundesstaates Massachusetts, an. Die Bevölkerung steht unterdessen nach wie vor unter Schock.

“Wir haben gesehen, wie die erste Bombe explodierte und entschuldigen Sie, wenn ich es so sage, die Leute in die Luft sprengte. Dann kam die zweite”, so eine Zeugin.

“Überall waren Familien mit Kindern, die schrien”, sagt eine andere.

“Das war ohrenbetäubend. Einfach sehr, sehr laut. Und dann brach das Chaos aus.”

Das Chaos führt die Amerikaner gedanklich unweigerlich zwölf Jahre zurück. Zurück zu den Bildern der Verwüstung und der Panik, die sie hofften, nie wieder sehen zu müssen.

Der 11. September 2001. Die Anschläge auf das World Trade Center blieben ein amerikanisches Trauma. Damals kam der Angriff von außen, von islamistischen Terroristen.

1995 beim Attentat auf ein Gebäude der Bundesbehörden in Oklahoma City war es ein Golfkriegsveteran, also ein Anschlag aus dem Inneren der Vereinigten Staaten.

Barack Obama kündigte an, die Täter von Boston zu finden und zur Verantwortung zu ziehen, das Weiße Haus ordnete die Vorkommnisse als Terrorakt ein. Die Ermittlungen zielen derzeit sowohl auf einen möglichen Anschlag von innen als auch von außen. Die wenig ausgeklügelten Sprengsätze könnten dafür sprechen, dass keine internationale Terrorgruppe am Werk war, meinen Experten. Sonst hätte der Anschlag vermutlich mehr Todesopfer gefordert, so die Sprengstoffspezialisten. Dass die Bomben am Patriot’s Day detonierten, könne darauf hinweisen, dass die Attacken auf das Konto von Rechtsextremen gehen, lautet eine weitere Vermutung der Analysten.

Bei uns jetzt US-Korrespondent Stefan Grobe. Er steht in der Boylston Street in Boston,wo die Explosionen gestern stattfanden. Stefan, wie ist die Stimmung in Boston? Was geht dort jetzt vor?

Stefan Grobe:
Also Mark, die Stimmung ist wirklich seltsam.
Einerseits steht die Stadt noch immer unter Schock, andererseits geht hier um mich herum alles fast seinen normalen Gang.

Die meisten Läufer sind noch hier in Boston. Mit einigen Teilnehmern aus Europa, die das gestern mitbekommen haben, konnte ich sprechen. Sie sagten, sie wollten ihre Reisepläne nicht ändern, sondern bis zum Wochenende bleiben. Also: sehr gemischte Stimmung hier.”

euronews:
FBI und Heimatschutz-Behörde sagen, sie hätten bislang niemanden unter Verdacht. Sie wissen nicht, ob es einheimische oder ausländische Terroristen waren. Was wissen wir dann?

Stefan Grobe:
“Die Ermittler sind hier noch ganz am Anfang. Sie sichten jetzt erstmal die Fakten, werten die Videoaufzeichnungen und privat geschossene Fotos aus. Eine Menge Dinge also, bislang aber keine heiße Spur darunter.”

euronews:
“Präsident Obama hat gestern davor gewarnt, voreilige Schlüsse zu ziehen. (Nun macht sich aber jeder so seine Gedanken.) Was glauben Sie ist für die Amerikaner bedrohlicher, ein in- oder ein ausländischer Täter?

Stefan Grobe:
“Tja, das ist die DIE Frage! Es ist schwierig zu beantworten, was für die Amerikaner bedrohlicher wäre, eine neuerliche Attacke, die vielleicht mit Al-Kaida zusammenhängt oder ein Anschlag amerikanischer Terroristen. Was einem dabei sofort ins Gedächtnis kommt, ist der Oklahoma-City-Anschlag von 1995, der ein wirklicher Schock für das Land war. Außerdem wäre da natürlich die 9/11-Tragödie. Die Amerikaner dachten, dass sie diese Zeiten längst hinter sich gelassen hätten und jetzt schleicht sich wieder die Angst in ihr Leben. Sie realisieren, dass der Terror zurückkommt und mit ihm all die dunklen Gedanken. Aus diesem Grund ist es schwer zu sagen, was für die USA bedrohlicher wäre, in- oder ausländische Täter.”