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"Eine kraftvolle Botschaft"

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"Eine kraftvolle Botschaft"

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Im euronews-Interview spricht Ahmad Salamatian, Experte für die politische Landschaft im Iran, über die Präsidentschaftswahlen und ihre Auswirkungen. Und über Hassan Ruhani.

euronews:
“Herr Salamatian, wenn man den Pessimismus und den Vertrauensverlust in Betracht bezieht, der durch die Wahl 2009 entstanden ist und die Gerüchte, nach denen das Ergebnis der Abstimmung ohnehin vorher feststand: War dieses Resultat dann zu erwarten?”

Ahmad Salamatian:
“In den letzten Tagen vor der Wahl wurden die Sicherheitsvorkehrungen deutlich verschärft. Es ging nur um die Sicherheit, so dass die Kandidaten kaum noch zur Geltung kamen. Während der Fernsehdebatten wurde das sehr deutlich. Erst in der zweiten Diskussionsrunde hat sich das geändert und es wurde erst dann über die eigentlichen Themen gesprochen.
Die iranische Gesellschaft und die Menschen sind sehr enthusiastisch und interessiert, was Politik und politische Beteiligung betrifft. Deshalb sollte die Politik im Vordergrund stehen. Alle politischen Figuren – sowohl die Regierenden als auch die Reformer und die moderaten Kräfte – stehen in der Pflicht, den Fokus auf die Politik zu legen. Damit meine ich die Interaktion und das Herstellen von Verständnis. Angesichts der prekären Lage im Iran braucht die Bevölkerung das Verständnis der Politiker – nicht zuletzt die Mittelschicht. Diesbezüglich haben Gemäßigte wie Chatami und Rafsandschani meiner Meinung nach vorbildlich gehandelt. Ich sage Ihnen, dass dem Regime seine eigene Lage und die internationalen Aspekte bewusst werden. Deshalb würde es nicht wie 2009 einer Mehrheitsentscheidung die Anerkennung verweigern.”

euronews:
“Derzeit ist das Parlament konservativ geprägt. Könnte es Ruhanis Arbeit nicht unheimlich erschweren?”

Ahmad Salamatian:
“Das Parlament hat keine andere Wahl, als die Entscheidung und die Forderungen der Bevölkerung zu akzeptieren. Forderungen, die sehr deutlich ausgesprochen wurden. Ich gehe nicht davon aus, dass das Parlament dem Wahlgewinner Schwierigkeiten bereiten wird. Und gleichzeitig ist es unwahrscheinlich, dass der Wahlsieger sofort auf Konfrontationskurs geht.”

euronews:
“Ruhani war jahrelang der Chefunterhändler in den Atomverhandlungen. Er hat im Wahlkampf Said Dschalili stark kritisiert. Welche Änderungen sind unter Ruhani im Verhältnis zwischen dem Iran und dem Westen denkbar?”

Ahmad Salamatian:
“Er sendet eine kraftvolle Botschaft, was die Einigkeit im Iran betrifft. Die internationalen Unterhändler haben sich auf iranischer Seite immer jemanden gewünscht, mit dem man einen wahren Dialog führen kann. Diese Nachricht sollte also auch sie erreichen. Meine Hoffnung ist, dass die internationale Gemeinschaft versteht, und insbesondere die Vereinigten Staaten und Europa, dass dies eine sehr brauchbare Möglichkeit für Gespräche und Verhandlung über das Atomprogramm ist. Ich hoffe zudem, dass dies dabei helfen wird, künftig zu verhindern, das Atom-Thema innerhalb des Landes als eine Art politisches Alibi zu benutzen. Wenn die internationale Gemeinschaft darauf abzielt, mithilfe des Irans den turbulenten Nahen Osten zu stabilisieren, dann ist das etwas, was die Mehrheit der Iraner befürwortet. Die iranische Mittelschicht wird der beste geopolitische Alliierte der übrigen Welt sein.”