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Spionage unter Freuden: Heuchelt Europa?

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Spionage unter Freuden: Heuchelt Europa?

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Spionage unter Freunden. Das könnte das Motto dessen sein, was sich offenbar seit Jahren zwischen den USA und Europa abspielt. Durch die Snowden-Enthüllungen kam ans Licht, dass Amerika seine Partner in Europa massiv ausspioniert, und die sind darüber alles andere als glücklich. Viele fordern Aufklärung, und manch einer stellt das geplante bilaterale Handelsabkommen in Frage.

Der britische Guardian und Der Spiegel aus Deutschland haben die Spionagegeschichte veröffentlicht. Demnach werden unter anderem Einrichtungen der EU in Washington, in Brüssel und bei der UNO heimlich von den US-Agenten ausgeforscht. Europa protestiert.

Der Sprecher der deutschen Regierung, Steffen Seibert, sagte: “Es muss aufgeklärt werden. Und wenn es sich bewahrheiten würde, wäre es unakzeptabel. Wir sind nicht mehr im Kalten Krieg.”

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso: “Wenn sich die Nachrichten bewahrheiten, dann wäre das sehr verstörend und es würde ernste und schwerwiegende Fragen aufwerfen. Deshalb haben wir direkt nach den Medienberichten von den USA eine volle und sofortige Aufklärung der Angelegenheit verlangt.”

Frankreichs Präsident François Hollande: “Dieses Verhalten gegenüber Partnern und Verbündeten können wir nicht akzeptieren. Welche Konsequenzen müssen wir ziehen? Zunächst sollte das so schnell wie möglich, also sofort, aufhören. Erst, wenn wir dafür eine Garantie haben, kann es in den verschiedenen Bereichen weitere Verhandlungen oder Transaktionen geben.”

Die Enthüllungen haben das Verhältnis zwischen Brüssel und Washington abgekühlt. Doch ist der europäische Zorn vorgetäuscht oder echt? Der französische Ex-Spion Claude Moniquet glaubt dem Euro-Furor nicht so recht.

“Jetzt überrascht zu sein, wäre ein wenig naiv, es könnte auch geheuchelt sein. Ich bin ziemlich sicher, dass manche europäischen Länder, darunter bestimmt Deutschland und ganz sicher auch Frankreich die USA ausspionierten, wann immer sie konnten.”

US-Präsident Barack Obama scheint vom Wutsturm aus Europa derweil nicht sonderlich beeindruckt zu sein. Die Abhöraktionen leugnet er nicht einmal. Im Gegenteil.

“Jeder europäische Geheimdienst, jeder asiatische Geheimdienst, einfach jeder Geheimdienst in der Welt wird folgendes tun: Er wird versuchen, die Welt besser zu verstehen und zu begreifen, was in den Hauptstädten der Welt vor sich geht. Wäre das nicht so, dann gäbe es keinen Bedarf an Geheimdiensten. Ich garantiere Ihnen, dass es in Europas Hauptstädten Leute gibt, die sich vielleicht nicht direkt für mein Frühstück interessieren, aber doch dafür, worüber ich wohl sprechen werde, wenn ich mich mit den Politikern dort treffe.”

Vielleicht ist es also nur eine Frage der Zeit, bis auch europäische Spione in den USA auffliegen.