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OPCW-Chef Üzümcü: "Zerstörung von Chemiewaffen in Syrien 2014 beenden"

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OPCW-Chef Üzümcü: "Zerstörung von Chemiewaffen in Syrien 2014 beenden"

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Mit den ersten Angaben über sein Giftgasarsenal hat Syrien einen kleinen Schritt getan, doch nur einen kleinen.

Die Organisation für Chemiewaffenverbot im niederländischen Den Haag prüft nun die Angaben und wird über das weitere Vorgehen bei der Vernichtung der Waffen entscheiden.

Die internationale Gemeinschaft erwartet ein vollständiges Inventar der Bestände und Produktionsstätten. Am 14. Oktober will Syrien der Organisation offiziell beitreten.

In einem nächsten Schritt würden Inspekteure die Angaben vor Ort kontrollieren und das Land dabei unterstützen, die Waffen und Anlagen bis zur Vernichtung sicher zu stellen.

Während der Westen und Russland über den Bericht der UN-Inspekteure weiterhin streiten, besteht die nächste Hürde darin, dass Syrien, wie die meisten Länder, die der Konvention für ein Verbot der Chemiewaffen beigetreten sind, nicht über Möglichkeiten verfügt, diese Waffen zu vernichten.

Russland und die USA könnten das, doch in den USA ist die Einfuhr von Chemiewaffen verboten, während Moskau verlauten ließ, man wolle mit Experten helfen, doch die Waffen könnten nicht auf russischem Boden vernichtet werden.

Die Vernichtung selbst würde etwa ein Jahr in Anspruch nehmen, was Baschar al-Assad entgegenkommt, denn er will Zeit gewinnen, um sein Regime zu stabilisieren.

Über das Thema sprachen wir mit dem Leiter der Organisation für ein Chemiewaffenverbot, Ahmet Üzümcü.

euronews:
“Wie lange könnte der Entwaffnungsprozess in Syrien dauern? Ist das in einem Jahr machbar, so wie Assad gesagt hat, oder könnte das angesichts der Situation in Syrien länger dauern?”

Ahmet Üzümcü:
“Wir wollen das erste Team in zehn Tagen einsetzen. Es soll dann verstärkt werden, um erste Inspektionen zu unternehmen. Wir werden dann mit den Syrern sprechen, um einen Plan für die Zerstörung zu entwickeln, dem der Exekutivrat der Organisation zustimmen muss. Wir werden also versuchen, diese Fristen zu verkürzen und unser Bestes tun, um die Zerstörung 2014 abzuschließen.”

euronews:
“Die Zerstörung von Chemiewaffen im Irak wurde wegen der konfessionellen Konflikte dort unterbrochen. Warum meinen Sie, dass so etwas in Syrien nicht geschehen könnte?”

Ahmet Üzümcü:
“Es könnte angesichts der Situation zu Verzögerungen kommen. Aber wir müssen uns um alle praktischen Möglichkeiten bemühen, um diese Operation so schnell wie möglich abzuschließen. Einige Methoden können bereits angewendet werden, das ist abhängig von der Lage vor Ort. Das kann in Syrien geschehen, oder diese Waffen können aus Syrien weggebracht werden. Alle Optionen werden untersucht, und selbstverständlich wird auch die Finanzierung ein Punkt sein. Zu meiner Zufriedenheit haben einige Staaten bereits ihre Unterstützung zugesagt, auch die Europäische Union. Sie wollen einen speziellen Fonds gründen, damit diese Mission erfolgreich wird.”

euronews:
“Chemiewaffen werden in Syrien “binär” gelagert, ihre Komponenten werden also an unterschiedlichen Orten aufbewahrt. Zusammen gebracht werden sie erst, wenn sie eingesetzt werden sollen. Wie einfach – oder schwer – ist es, diese Arsenale aufzuspüren?”

Ahmet Üzümcü:
“Das könnte uns bei der Zerstörung einiger Ausgangsstoffe für binäre Waffen sogar behilflich sein. Unsere Experten meinen außerdem, dass das in Syrien relativ einfach sei, denn die toxischen Bestandteile dieser Waffen müssen wie gesagt an besonderen Standorten gelagert werden.”

euronews:
“Teams Ihrer Organisation haben herausgefunden, dass in Syrien Chemiewaffen benutzt wurden. Aber wir wissen noch nicht, von wem. Wie schwierig wird es, all diese Waffen zu finden, ohne zu wissen, wer sie überhaupt wirklich verwendet hat?”

Ahmet Üzümcü”
“Der Fokus liegt ganz klar auf der Zerstörung aller Waffen. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen soll dabei eine führende Rolle spielen. Meine Hoffnung ist, dass dieser Prozess, diese Mission, eine katalysierende Rolle spielen und möglicherweise den Friedensprozess in Syrien wiederbeleben kann. Es gibt bereits Gespräche über eine zweite Konferenz in Genf.”