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Polen: Die Drogenabhänigen werden immer jünger

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Polen: Die Drogenabhänigen werden immer jünger

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Welche Drogen?

Die weitverbreiteste Droge in Polen ist Cannabis, gefolgt von Beruhigungsmitteln und Schlafmitteln. Laut einer Studie, die Ende 2010 durchgeführt wurde, haben 17,6 % der Befragten schon einmal Cannabis geraucht. Unter ihnen hatten 9,6 Prozent erst vor kurzem die Droge ausprobiert. Dieser Studie zufolge landen beim Drogenkonsum Amphetamine auf Platz drei und Ecstasy auf Platz vier.

Wer nimmt sie?

Einem Bericht des ENCDDA (Beobachtungsstelle von Drogen und Suchtverhalten) zufolge, werden die Drogenkonsumenten in Polen immer jünger. Im Alter zwischen 15- 16 Jahren hat ein Schüler von vieren mindestens schon einmal Cannabis geraucht. In dieser Altersklasse landet Polen im europäischen Vergleich auf Platz eins, vor Frankreich, Spanien und der Tschechischen Republik. Der Drogenkonsum steigt stetig an. Laut einer Studie des Instituts der Psychiatrie und der Neurologie ist die Zahl derer, die mit Drogen experimentieren zwischen 1995-2011 um 14 % gestiegen.

Was macht die Regierung?

Die Gesetzgebung in punkto Drogen in Polen ist verglichen mit anderen europäischen Ländern sehr restriktiv. Einem Gesetz zur Drogenbekämpfung, das am 29. Juli 2005 verabschiedet wurde, zufolge ist jeglicher Besitz von Drogen strafbar. Einer Person, die nur ein Gramm Cannabis bei sich trägt, drohen bis zu drei Jahre Haft. Jedes Jahr werden rund 30.000 Menschen im Besitz von Drogen festgenommen. 17.000 von ihnen werden verurteilt, 9000 zu einer Haftstrafe.
2011 wurde die Gesetzgebung geändert. Richter haben jetzt die Möglichkeit die strafrechtliche Verfolgung von Menschen, die nur eine geringe Menge Drogen zum Eigengebrauch bei sich trugen, einzustellen. Doch in der Praxis hat sich herausgestellt, dass nur sehr wenige Richter von diesem Artikel Gebrauch machen.

Wie sieht es mit der Vorsorge aus?

Eine Studie aus dem Jahr 2011 geht davon aus, dass es in Polen rund 100.000 Drogenabhängige gibt. Ein Gesetz, das 2005 verabschiedet wurde, schreibt vor, dass Behandlung und Drogenentzug, sowie Hilfsprogramme zur Wiedereinführung in die Gesellschaft allen Drogensüchtigen offen stehen und kostenlos sein müssen. Es gibt in Polen 79 Klinken, die Entzugsprogramme anbieten, und 212 Beratungsstellen. 2010 haben sich knapp 15.000 Drogenabhängige in Behandlung begeben. 75% von ihnen waren Männer, die meisten waren von Opiaten abhängig.
2011 wurde ein neues Programm gestartet, um Drogensucht zu bekämpfen. Die Vorsorge soll verbessert werden. Ziel ist es, die Zahl der Beratungsstellen im Land zu erhöhen und bessere Therapien anzubieten. Seit 2002 müssen sich auch die Schulen der Problematik annehmen und über die Gefahren von Drogen informieren. Schülern, die bereits am Rande der Gesellschaft leben und die drohen in die Drogensucht abzurutschen, soll so früh wie möglich geholfen werden.