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Wie weiter in Kiew nach gescheitertem Misstrauensantrag?

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Wie weiter in Kiew nach gescheitertem Misstrauensantrag?

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Wir sind in Kiew mit unserer Korrespondentin Angelina Kajakina verbunden. Hat die Opposition ihr Ziel verfehlt, die Regierung zu stürzen? Wie lauten jetzt ihre wichtigsten Forderungen?

Angelina Kajakina
Nach dem gescheiterten Misstrauenvotum im Parlament haben die führenden Kräfte der Opposition bekräftigt, dass sie weiterhin an ihrer Forderung festhalten und andere Wege finden werden, die Regierung zu stürzen.
Nun wollen sie den Weg über den Präsidenten nehmen. Jetzt wollen sie von Präsident Janukowitsch verlangen, die Regierung zu entlassen. Sie rufen ihre Unterstützer und alle protestierenden Bürger auf, auf dem Maidan auszuharren, Posten im Regierungsviertel aufzustellen, bis ihre Forderungen erfüllt sind. Die Erklärungen der Oppositionsführer klingen ebenso entschlossen wie vorher. Es sind immer noch viele protestierende Demonstranten auf den Straßen. Es gibt im Moment keine konkreten Pläne, die auf ein Ende der Demonstrationen hindeuten.

euronews
Wie ist jetzt die Stimmung bei den einfachen Leuten? Unterstützen sie immer noch die Oppositionsführer? Oder sind sie jetzt enttäuscht?

Angelina Kajakina
Die Stimmung war düster, als die Leute hörten, dass der Misstrauensantrag im Parlament abgelehnt wurde. Aber den Leute geht es nicht mehr nur um Protest. Jetzt ist von Generalstreik die Rede, mit dem selben Ziel – die Regierung zum Rücktritt zwingen.
Die Leute wollen hier bleiben. Sie rufen jetzt ihre Freunde in anderen Städten an, damit die sich anschließen. Dieser Protest wurde von Anfang an von den Studenten mitgetragen. Die Stimmung ist im Allgemeinen so, dass die Protestierer weitermachen wollen, sie wollen die Regierung durch Massendemonstrationen stürzen, nachdem es nicht durch den Missstrauensantrag im Parlament gelungen ist.

euronews Nach überstandenem Misstrauenantrag hat der Ministerpräsident drastische Veränderungen in seinem Kabinett angekündigt. Könnte das die Demonstranten zufrieden stellen? Ist die Opposition zu Gesprächen und Kompromissen mit der Regierung bereit?

Angelina Kajakina
Der Regierungschef Asarow hat zu den versprochenen Veränderungen in der Regierung keine näheren Angaben gemacht.
Es gab keine Details, die darauf hindeuten könnte, mit welchen Schritten er die Lage zu entspannen und die Demonstranten zufrieden zu stellen gedenkt. Äußert negativ wurde vermerkt, dass Innenminister Vitali Sacharschenko nicht im Parlament anwesend war. Seine Ablösung ist nach dem brutalen Vorgehen seiner Polizei gegen die Demonstranten eine der Schlüsselforderungen. Die regierende “Partei der Regionen” hatte entschieden, dass er nicht ins Parlament geht, weil die Lage in der Stadt weitehin angespannt bleibt, so dass er seines Amtes walten muss. Von Seiten der Regierung gibt es kein konkretes Kompromissangebot und die Opposition besteht darauf, dass es keinen Kompromiss mit der Regierung geben kann, die die rote Linie überschritten hat. Die muss folglich zurücktreten.