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Worauf war Ariel Scharon stolz?

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Worauf war Ariel Scharon stolz?

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Als Ariel Scharon Ministerpräsident war, arbeitete
Dr. Raanan Gissin für ihn als Berater. Zuvor hatte er an der Nahost-Friedenskonferenz von 1991 in Madrid als Berater mitgewirkt. In den vergangenen Jahren wurde er zu einem der meistgefragten Experten zu den Themen israelische Außenpolitik und Sicherheitsstrategie. Das sensible Problem der immer wieder gescheiterten Friedensverhandlungen kennt er aus eigenem Erleben. Und ebenso gut kannte er seinen zeitweiligen Chef Ariel Scharon.
Euronews- Reporter Luis Caballo traf ihn in Israel.

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Welches war die schwerste Entscheidung, die Scharon zu treffen hatte?

Dr. Raanan Gissin
Ich denke, das war jene über die Aufgabe der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen und über die Rücknahme von Siedlungen aus Judäa und Samaria. Denn für ihn war Israel gleich Siedlungsbau. Das ganze Israel, wie es in Zukunft einmal aussehen sollte als Staat für die Juden aus aller Welt. Dafür war der Siedlungsbau ein wichtiges Element. Er war über mehr als 20 Jahre hin ein Siedlungsbauer.

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Und worauf war er am meisten stolz?

Dr. Raanan Gissin
Am meisten stolz war er auf alles, was er Israel gegeben hat: In der Landwirtschaft, das Land, dass die Siedler immer mehr bauen konnten, dass immer mehr Menschen nach Israel kamen, diese Einwanderung, dass Juden aus aller Welt nach Israel kamen, um einen starken israelischen Staat zu schaffen. Er war stolz darauf, dass Israel eine der stärksten Armeen der Welt hat. Darauf war er sehr stolz, weil er dazu beigetragen hat. Er erinnerte sich an seine eigene Erfahrung 1948, als er in der Schlacht von Latrun fast getötet worden wäre, als er versuchte, seine Kameraden zu retten. Sie aus der Kampfzone zu schleppen. Dabei wurde er verwundet, als er Kameraden in Sicherheit brachte.

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Nach dem Rückzug aus dem Gazastreifen, dachte er da an einen ähnlichen Rückzug aus dem Westjordanland? An einen Abbau der Siedlungen?

Dr. Raanan Gissin
Zweifellos gab es solche Überlegungen. Die könnten in die Richtung gegangen sein, was die Errichtung eines israelischen Staates in endgültig sicheren Grenzen an der Seite eines Palästinenserstaates anbelangt. Das hätte eine taktische Überlegung sein können. Ich weiß nicht, ob er eventuell ein Friedensabkommen mit den Palästinensern erreicht hätte, so wie wir es uns wünschen. Diesen Gedanken wollte er zuletzt an sein Volk weitergegen. Um Israel zu verstehen, muss man aber wissen, dass wir eine zutiefst gespaltene Nation sind. Er wäre wohl die einzige Person gewesen, die das israelische Volk durch die schwierigsten Probleme hätte führen können.

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Kommen wir zu Sabra und Schatila. Hat er diese Massaker im Libanon jemals bereut?

Dr. Raanan Gissin
Sabra und Schatila, das war ein Fehler. Es war ein Unglück, was sich da ereignete. Geschehen war es aus der Vorstellung heraus, Terroristen aus dem Libanon zu vertreiben und Israel Sicherheit zu geben. Ich denke, was geschah, das hat er bereut. Aber erst hinterher. So wie wir erst hinterher erkennen konnten, welche Probleme im Libanon entstehen. Er stellte sich seinem Teil der Verantwortung, für die wir bezahlt haben. In Israel gab es einem Prozeß und eine Untersuchungskommission. Er schwankte nie in seiner Haltung zu Israel. Er blieb bei der Aussage: “Ich habe geglaubt, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen. Ich stehe zu dem, was ich tat, weil ich es in der Überzeugung tat, es sei gut für Israel.”