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Die unterschiedliche Rolle der "First Ladies"

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Die unterschiedliche Rolle der "First Ladies"

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Schriftliche Frage von Cécile aus Toulouse in Frankreich:

“In den vergangenen Wochen wurde in Frankreich viel über die Rolle der “Première dame” gesprochen, über ihre eigentliche Funktion. Wie ist das anderswo? Welchen offiziellen Status hat die Person an der Seite eines Präsidenten oder Ministerpräsidenten in anderen Ländern?”

Die Antwort kommt von Christian Delporte, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Versailles Saint-Quentin-en-Yvelines, Experte für die Geschichte der Medien- und Kommunikationspolitik sowie Autor des Buches “Come back! Ou l’art de revenir en politique”.

“In Frankreich ist die Rolle der “Première dame” nirgendwo festgeschrieben – weder im institutionellen noch verfassungsrechtlichen Sinn. Sie bekommt kein Gehalt und hat keine offizielle Funktion im Élysée-Palast.

Im Laufe der Zeit bildeten sich aber verschiedene protokollarische Funktionen für die Première dame heraus: Sie ist Gastgeberin im Elysée-Palast, begleitet den Präsidenten bei Auslandsreisen, offiziellen Zeremonien und internationalen Treffen. Ihre Stellung, ihre Rolle ergibt sich aus der Tradition der französischen Monarchie – angepasst an die Situation der Republik. Sie ist aber auch eine Nachahmung des amerikanischen Modells, selbst der Begriff der “Première dame” ist aus dem amerikanischen Wortschatz entlehnt. Das liegt meiner Meinung nach auch klar auf der Hand, denn sowohl in Frankreich als auch in den USA ist der Präsident die mächtigste politische Figur im Staat, das ist in anderen Demokratien nicht der Fall.

Seit den 1970er Jahren hat man alles dafür getan, um die Rolle der “Première dame” im Elysée-Palast zu stärken. Damit ging die Erwartung einher, dass sie dazu beitrage, dass der Staatschef ein menschlicheres Bild abgebe. Sie soll als emotionale Verbindung dienen und identitätsstiftend sein zwischen den Franzosen und ihrem Mann oder Lebenspartner. In Frankreich ist die Rolle der “Première dame” allerdings weniger stark als in den Vereinigten Staaten.

Für Franzosen wäre es undenkbar, dass die “Première dame” den Präsidenten bei einer großen politischen Reform berät. So wie es bei Hillary Clinton der Fall war, die ihren Mann Bill Clinton in seiner Zeit als US-Präsident hinsichtlich der Reform des Gesundheitssystems beraten hatte. Allerdings ist die Rolle der “First Lady” in Frankreich viel stärker als in anderen europäischen Ländern, wo die Partner der Staatschefs im Hintergrund bleiben und oft ihre eigene Karriere fortführen als sei nichts geschehen. Das ist beispielsweise bei Angela Merkels Ehemann Jochim Sauer der Fall, der für seine Zurückhaltung bekannt ist.

In Frankreich liegt die Rolle der “Première dame” also zwischen den jeweiligen Modellen in den USA und Deutschland.”

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