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Ein europaweites bedingungsloses Grundeinkommen?

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Ein europaweites bedingungsloses Grundeinkommen?

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euronews-Zuschauerin Mary aus Dublin fragt:
“Die Idee für ein bedingungsloses Grundeinkommen ist nicht neu. Seit der Wirtschaftskrise ist es erneut im Gespräch. Wie kann ein Grundeinkommen Armut bekämpfen?”

Die Antwort von Philippe Van Parijs, Professor für Ökonomie und Sozialethik an der Katholischen Universität Löwen und Gastprofessor für Philosophie an der Harvard-Universität:
“Ein Grundeinkommen ist eine finanzielle Zuwendung, die bedingungslos an alle Mitglieder einer bestimmten Gemeinschaft gezahlt wird. Bedingungslos bedeutet: An jedes Individuum.

Bedingungslos ist es auch, weil es sowohl Reiche, als auch Arme erhalten. Man muss nicht arbeiten, um es zu bekommen. Man muss auch keine Bereitschaft nachweisen, arbeiten zu gehen. Es handelt sich um eine finanzielle Basis, eine Art Sicherheitsnetz.

Mein Vorschlag ist, ein sehr geringes bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen, das ich “Euro-Dividende” nenne.

Es beliefe sich auf 200 Euro pro Person und Monat. Finanziert würde es durch eine europaweite Mehrwertsteuer.

Selbst ein Grundeinkommen von 200 Euro wäre eine erhebliche finanzielle Steigerung: In Staaten wie Rumänien oder Bulgarien würde das Durchschnittsgehalt um 30 bis 40 Prozent in die Höhe steigen. Und das hätte eine deutliche finanzielle Umverteilung zu Gunsten von ärmeren EU-Staaten zufolge. Sobald sich der Wohlstandsgrad eines Staates ändert, gäbe es eine Anpassung.

Es wäre nicht das Ziel der Euro-Dividende, die Armut in reicheren Staaten zu bekämpfen. Es geht um die Armut in ärmeren Staaten. Das bedingungslose Grundeinkommen hätte gleichzeitig eine stabilisierende Wirkung auf alle Wohlfahrtsstaaten der Europäischen Union.”

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