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Das Ende einer Ära: Italiens Präsident Napolitano ist müde

Am 22. April 2013 hat sich Giorgio Napolitano noch einmal überreden lassen. Er trat seine zweite Amtszeit als italienischer Präsident an. Der

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Das Ende einer Ära: Italiens Präsident Napolitano ist müde

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Am 22. April 2013 hat sich Giorgio Napolitano noch einmal überreden lassen. Er trat seine zweite Amtszeit als italienischer Präsident an. Der 89-Jährige tat es aus Pflichtbewusstsein. Nach fünf Wahlrunden war es dem Parlament nicht gelungen, sich auf einen Präsidenten zu einigen.

Die vorangegangenen Parlamentswahlen hatten das Land in eine politische Sackgasse geführt. Mitten in der Eurokrise war das Parlament blockiert. Eine Situation mit der Napolitano in seiner Karriere schon oft konfrontiert war.

Der studierte Jurist wird als Mitglied der kommunistischen Partei 1953 zum ersten Mal zum Abgeordneten gewählt. Von da an wird er den politischen Zirkus nicht mehr verlassen. Er gilt als moderat, d.h. er will soziale Gerechtigkeit vor allem durch Reformen erreichen.

1989 wird das Europäische Parlament in Straßburg zu seiner zweiten Heimat. Insgesamt wird er acht Jahre lang dort einen Sitz haben. Er hat den Ruf, ein überzeugter Europäer zu sein. Bis Juni 2004 war er Vorsitzender des Ausschusses für Verfassungsfragen des Europaparlaments.

2006 wird Napolitano, der Grandseigneur der italienischen Politik, im vierten Wahlgang zum Staatspräsidenten gewählt. Mit ihm zieht zum ersten Mal ein früherer Kommunist in den Quirinalspalast in Rom ein. Der damals 80-jährige hat bereits mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen. 2008 erlitt er bei einer Zeremonie einen Schwächanfall. Die Universität von Trient hatte ihm den Titel des Ehrenprofessors verliehen.

Während seiner zwei Amtsperioden sah Napolitano fünf Ministerpräsidenten kommen und gehen. Mit Silvio Berlusconi war die Zusammenarbeit nicht immer einfach. Napolitano soll einmal gesagt haben, Berlusconi sei Schuld am Verlust von Italiens Glaubwürdigkeit. In der Finanzkrise 2011 war es Napolitano, der Berlusconi zum Rücktritt drängte und Mario Monti zum Premier machte.

Mit Napolitanos Abschied aus der Politik geht eine Ära zu Ende. Für viele Italiener war er “König Giorgio”. Für Brüssel war er ein wichtiger Garant für Stabilität. Er selbst sagte vor kurzem, er wolle nach Hause gehen, er sei müde.