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Brasiliens Armenviertel und die Polizei

Mit einem symbolischen Begräbnis an der Copacabana protestiert eine Menschenrechtsgruppe still gegen Polizeigewalt in Brasilien. Ein zehnjähriger

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Brasiliens Armenviertel und die Polizei

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Mit einem symbolischen Begräbnis an der Copacabana protestiert eine Menschenrechtsgruppe still gegen Polizeigewalt in Brasilien. Ein zehnjähriger Junge war am Donnerstag in einem Armenviertel von Rio de Janeiro getötet worden, als die Polizei gegen Demonstranten vorging und eine Kugel den Jungen traf. Das löste nicht nur Trauer, sondern auch Wut aus.

“Es ist selten, dass Leute aus der Mittelschicht den Tod eines Menschen aus einem Armenviertel beweinen. Wir wollen etwas in unserer Stadt ändern. Ein Junge wurde getötet, wir können nicht einfach schweigen”, sagt der Aktivist Antonio Costa.

Der Polizist, der für den Tod von Eduardo de Jesus Ferreira verantwortlich sein soll, wurde vom Dienst suspendiert. Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff forderte, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Einer lokalen Zeitung gegenüber bestritt die Mutter des Jungen eine Polizeimeldung, in der es hieß, die Beamten hätten eingegriffen, weil sie von Kriminellen beschossen worden seien.

Nach dem Tod des Jungen kam es in Rio am Freitag zu Demonstrationen, die in Krawallen endeten. Polizisten wurden mit Wurfgeschossen attackiert, die Ordnungshüter setzten Tränengas ein. Am Wochenende wurden die Proteste fortgesetzt, diesmal blieb es friedlich.

“Die Polizei kann die sozialen Aufgaben nicht lösen.”

In den Armenvierteln der Millionenstadt treiben Drogenbanden ihr Unwesen, hier gelten oft eigene Gesetze. Seit 2008 geht die brasilianische Polizei massiv gegen die Kriminalität vor. Schwerbewaffnete Spezialeinheiten räumen auf – doch auf diese Weise seien die Probleme nicht in den Griff zu kriegen, meint der Fotograf Betinho Casas Nova, der in Rio in einer der Barackensiedlungen wohnt:

“Die Polizei kann die sozialen Aufgaben nicht lösen, das ist Aufgabe der Regierung. Sie muss in soziale Maßnahmen und die Stadtentwicklung investieren. Das wurde eingestellt, ebenso wie die Investition in Sanitäranlagen. Die hygienischen Zustände sind bedenklich. Nur wenn diese Probleme gelöst werden, kann die Regierung die Leute in den Armenvierteln für sich gewinnen”, so Betinho Casas Nova.

Im August 2016 ist Rio Gastgeber der Olympischen Sommerspiele. Wie vor der Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Jahr sind und bleiben die Armenviertel eine offene Wunde.