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Vor einem Jahr: Eskalation in der Ostukraine

Der 6. April 2014: In der ostukrainischen Großstadt Donezk haben sich Tausende Menschen vor dem Gebäude der Regionalregierung versammelt. Sie

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Vor einem Jahr: Eskalation in der Ostukraine

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Der 6. April 2014: In der ostukrainischen Großstadt Donezk haben sich Tausende Menschen vor dem Gebäude der Regionalregierung versammelt. Sie protestieren gegen die Übergangsregierung in Kiew, die nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch eingesetzt wurde.

“Wir sind gegen diese Bande in Kiew”, sagt eine Frau, “wir sind gegen Faschismus. Ich bin für eine Zollunion mit Russland. Kiew und die Europäische Union hören uns nicht zu.” Die Demonstranten werfen der Führung in Kiew Nationalismus und die Zusammenarbeit mit Neonazis vor. Die Stimmung ist angespannt, die Ereignisse auf der Halbinsel Krim liegen nur wenige Wochen zurück.

“Ich habe Angst vor dem, was morgen in unserem Land passieren könnte”, so eine Demonstrantin. “Ich bin gegen eine Abspaltung, aber ich erkenne die derzeitige Regierung nicht an. Die Oligarchen sind wieder an der Macht.”

Auch in anderen Städten der Ostukraine brodelt es – wie in Luhansk. Es kommt zu Gewaltausbrüchen. Menschen belagern ein Gebäude des Geheimdienstes – sie fordern die Freilassung von inhaftierten Aktivisten und wollen eine Volksbefragung über eine Vereinigung mit Russland.

Ein ähnliches Bild in Charkiw im Nordosten des Landes. Es kommt zu Zusammenstößen zwischen Gegnern und Unterstützern der Kiewer Übergangsregierung. Die Lage spitzt sich zu, in Donezk und in anderen Städten werden Verwaltungsgebäude besetzt. Es weht die russische Fahne, die ukrainische wird entsorgt.

Einen Tag später ruft ein Demonstrantenführer die Volksrepublik Donezk aus. Die Reaktion aus Kiew lässt nicht lange auf sich warten. Olexandr Turtschynow, der damalige ukrainische Übergangspräsident, erklärt: “Bürger der Ukraine, gestern hat die zweite Phase der russischen Operation gegen die Ukraine begonnen. Die Feinde der Ukraine versuchen, die Geschehnisse der Krim zu wiederholen, aber wir werden das nicht zulassen. Gestern wurde ein Krisenstab eingerichtet. Gegen diejenigen, die zu Waffen gegriffen haben, wird eine Anti-Terror-Operation durchgeführt”, so Turtschynow.

Ein Krieg entflammt, in dem beide Seiten schwere Waffen einsetzen. Trotz des seit fast zwei Monaten geltenden Abkommens Minsk II werden immer wieder neue Gefechte aus der Ostukraine gemeldet.