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"Die FIFA lebt in einer Alice-im-Wunderland-Welt"

Der Fußballweltverband FIFA versinkt im Korruptionssumpf. 14 Funktionären und Managern des internationalen Fußballs wirft die amerikanische Justiz

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"Die FIFA lebt in einer Alice-im-Wunderland-Welt"

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Der Fußballweltverband FIFA versinkt im Korruptionssumpf.

Meinung

Die Leute an der Spitze zeigen Reue

14 Funktionären und Managern des internationalen Fußballs wirft die amerikanische Justiz organisiertes
Verbrechen und Bestechung vor. Sie sollen seit Anfang der 1990er Jahre von Vermarktern Schmiergelder von mehr als 150 Millionen Dollar für die Vergabe von Fußballturnieren erhalten haben.

In der Schweiz waren am Mittwoch sieben Funktionäre festgenommen worden. Als Höchststrafe drohen ihnen in den USA 20 Jahre Haft.

Unabhängig von den US-Ermittlungen stellten Schweizer Behörden in der FIFA-Zentrale elektronische Daten und Dokumente sicher.

Die zuständige Bundesstaatsanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren im Zusammenhang mit den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022.

Nach Behördenangaben geht es um den Verdacht der Geldwäscherei.

Für FIFA-Präsident Josef Blatter bedeutet der Skandal den schwierigsten Machtkampf seit seiner Amtsübernahme 1998.

Chris Cummins, euronews:

“Bei uns ist jetzt Robert Barrington von Transparency International in London. Seine Organisation bekämpft die Korruption weltweit. Was war Ihre erste Reaktion auf die Entscheidung der Behörden in den USA und der Schweiz, Fifa-Führungskräfte und andere festzunehmen, in einem so gut geölten Einsatz?

Robert Barrington, Transparency International :

“Das waren gleich mehrere Reaktionen. Ich meine, erst mal war ich nicht wirklich überrascht, denn rund um die Fifa gibt es schon so lange so viele Korruptionsvorwürfe. Der zweite Reflex war: Das war aber an der Zeit, was haben die lange gebraucht!”

euronews:

“Steckt die globale Politik hinter den Ermittlungen, besonders zur Vergabe der WM 2018 an Russland ?”

Robert Barrington:

“Es ist verlockend, über eine russische Verbindung zu spekulieren. Präsident Putin ist ja Sepp Blatter beigesprungen. Aber wie ich diese Ermittlungen sehe, haben sie schon vor einigen Jahren begonnen, vor den jüngsten geopolitischen Scharmützeln zwischen Russland und dem Rest der Welt. Ich bin nicht sicher, ob das wirklich eine Rolle spielt.”

euronews:

“Was wird jetzt aus der FIFA und ihrem Präsidenten Sepp Blatter?”

Robert Barrington:

“Nun, in den meisten Unternehmen ist mehr oder weniger absehbar, was in so einem Fall passiert – bei globalen Korruptionsermittlungen, noch dazu, wenn US-Behörden mit von der Partie sind.

Die Leute an der Spitze zeigen Reue, manchmal bringt sie das Kontrollgremium dazu, zu gehen. Eine sehr umfassende interne Untersuchung wird in Auftrag geben, dazu die Ermittlungen von außen. Sowas endet dann oft mit Menschen im Gefängnis und hohen Geldstrafen.

Allerdings lebt die FIFA in einer Art “Alice im Wunderland”-Welt, da ist es wirklich schwer, vorherzusagen, was als nächstes passiert. Wir wissen, was passieren soll, aber was dann wirklich eintritt, ist eine andere Frage.”

euronews:

“Wie ist es möglich, dass eine Sportorganisation so eine Machtfülle erreicht, dass sie mit Regierungen am Tisch sitzt und mitbestimmt, was die denken?”

Robert Barrington:

“Die FIFA ist in dieser Hinsicht ziemlich bemerkenswert, sie hat wirklich eine riesige Menge Einfluss rund um den Globus ausgeübt. Die sehr einfache Antwort ist Geld, und beim Fußball liegt eine Menge Geld herum. Die Regierungen sind stark versucht, mitzumischen, wegen des nationalen Prestiges und all dem. Außerdem ist das die beliebteste Sportart weltweit und die Kombination von Geld und Popularität ist sehr verlockend für viele Regierungen.”

euronews:

“Ist die Welt nun innerhalb von 24 Stunden ein besserer Ort geworden?”

Robert Barrington:

“Ich meine, ein bisschen besser schon. Und sie wird ein viel besserer Ort sein, wenn die, die für diese Art von Korruption verantwortlich sind, wirklich zur Rechenschaft gezogen werden. Wenn die Fifa erst mal eine reformierte Organisation sein wird. Wenn wir sicher sein können, dass der Weltfußball, und eigentlich jede Sportart, in den Händen von Menschen sind, die das aus Interesse am Sport machen und nicht aus finanziellem Eigennutz.”