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Nix kapiert? Neuseeländer gewinnt Scrabble-WM auf Französisch

Ohne ein Wort Französisch zu sprechen hat ein Neuseeländer die frankophone Scrabble-Weltmeisterschaft gewonnen. Nigel Richards setzte sich im Finale

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Nix kapiert? Neuseeländer gewinnt Scrabble-WM auf Französisch

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Ohne ein Wort Französisch zu sprechen hat ein Neuseeländer die frankophone Scrabble-Weltmeisterschaft gewonnen. Nigel Richards setzte sich im Finale gegen den gebürtigen französischsprachigen Gabuner Schelick Ilagou Rekawe in drei Gewinnsätzen durch (370-427, 484-376, 565-434). Der Wettbewerb wurde im belgischen Louvain-la-Neuve ausgetragen.

Richard hat das französische Wörterbuch, sowie die Konjugation aller französischen Verben innerhalb von neun Wochen auswendig gelernt – ohne die Bedeutung der Wörter zu kennen.

Wer ist Nigel Richards?

Der Neuseeländer aus Christchurch ist in der Szene bereits bekannt: Er hat die englischsprachige Weltmeisterschaft im Scrabble schon drei Mal gewonnen: 2007, 2011 und 2013. Die den USA wurde er fünf Mal zum besten Scrabbler gekürt und den größten Wettbewerb der Branche, den “King’s Cup”, räumte er gleich zwölf Mal ab. Er lebt heute in Malaysia.

Auch einige Rekorde hält der bärtige Neuseeländer, darunter der für die meisten Punkte, die jemals in einem Spiel erreicht wurden.

Und Nigel Richards hat noch nicht genug: Er plant bereits, an zwei weiteren frankophonen Scrabble-Meisterschaften teilzunehmen. Ein Journalist, der die Meisterschaft in Belgien verfolgte kommentierte: “Der Triumph von Nigel Richards zeigt, dass Scrabble nicht mehr das Spiel von Sprachwissenschaftlern sondern vielmehr von Mathematikern ist”.

Was war nochmal gleich Scrabble?

Scrabble ist ein Brettspiel, bei dem es darum geht, Wörter so zusammenzusetzen und auf ein Spielbrett zu legen, dass möglichst viele Punkte damit erreicht werden.

Erste Schwierigkeit für jeden Spieler ist es, aus den sieben ihm zur Verfügung stehen Buchstaben ein Wort zusammenzusetzen. Als nächstes muss eine Anlegemöglichkeit auf dem Spielbrett gefunden werden. Im Laufe des Spieles wird das Spielfeld immer voller und daher der Platz fürs Anlegen enger.

Jeder Buchstabe hat eine bestimmte Wertigkeit. Daher empfiehlt es sich, möglichst die Buchstaben mit einem höheren Wert (meist die weniger geläufigen Letter im Alphabet wie X, P und W) auf ein Feld zu legen, das den Wert des Buchstabens verdoppelt oder sogar verdreifacht. Manche Felder multiplizieren auch den Gesamtwert des Wortes mit zwei oder drei. Taktik und Konzentration ist hier gefragt. Je mehr Buchstaben und je ausgefallener das Wort, desto mehr Punkte gibts!

Zur Geschichte des Spiels
Scrabble wurde im Jahr 1938 von einem amerikanischen Architekten Alfred Mosher Butts erfunden. Es hieß ursprünglich “Criss-Crosswords”, was sich auf Deutsch übersetzt mit “Durchkreuztes Kreuzworträtsel”.

Den großen Durchbruch des Spiels sollen die Macher der Urlaubsbeschäftigung des Vorsitzenden der amerikanischen Macy-Kaufhauskette zu verdanken haben. Er soll in den Ferien seine grauen Zellen beim Kreuwortlegen angestrengt haben und dabei viel Spaß gehabt haben. Als er aus dem Urlaub zurück kam, bemerkte er, dass sein Kaufhaus das Spiel nicht auf Lager hatte. Er machte dann eine Großbestellung und das Spiel verbreitete sich zunächst in den USA.

Heute wird das Spiel in 121 Ländern verkauft und ist in 29 Sprachen erhältlich. Weltweit sollen bereits mehr als 150 Million Spiele über die Ladentheke gegangen sein.

Ein paar Worte, mit denen sich Richards zum Erfolg buchstabierte

MIAULER – dt. “Miauen”
ANATROPE – dt. anatrop, ein botanischer Begriff für die umgekehrte Lage der Samenanlage bezüglich der Placenta und/oder des Funiculus bei vielen Samenpflanzen
ENOUAT – 3. Person Singular im Imparfait Subjectif des französischen Verbs énouer, auf Deutsch “zubinden”
REGNANTS – dt. “Herrschende”
CANIDÉ – dt. “Canidae”, ein biologischer Fachbegriff für die Kategorie der Hunde

Die Gewinnpartie und viele andere des Turniers in Belgien gibt es auf der Seite der französischen Scrabble-WM zum Nachlesen.