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Amnesty will Prostitution legalisieren

Weltweite Diskussion um die Entscheidung

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Amnesty will Prostitution legalisieren

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Amnesty International will Prostitution legalisieren. Das haben weltweite Vertreter der Menschenrechtsorganisation auf einem Ratstreffen im irischen Dublin beschlossen.

Meinung

Ein sicheres, angstfreies Leben ohne gesellschaftliche Ächtung

Amnesty geht es offenbar nicht darum, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung zu begünstigen. Sollte freiwillige Prostitution legal werden, erwartet die Organisaton aber Verbesserungen für Sexarbeiter. Die Entscheidung sei mit Interessenvertretungen wie AIDS-Aktivisten und Organisationen ehemaliger Prostituierter abgestimmt worden.

Kein Menschenrecht

“Prostitution ist kein Menschenrecht”, sagte die Amnesty-Vertreterin Gauri Van Gulik. “Aber sie haben ein Recht auf Sicherheit, Gesundheitsversorgung, sie müssen frei von Menschenhandel und Ausbeutung leben.”

Gerade die letzten beiden Punkte, das betont Amnesty derzeit immer wieder, sollen nicht legalisiert werden. Dennoch sehen sich die Menschenrechtler einer massiven Kritik aus dem Internet und von Frauenrechtlern ausgesetzt. Und auch Sozialarbeiter haben die Resolution bereits öffentlich kritisiert.

Der Deutsche Frauenrat begrüßte unterdessen die Entscheidung: “Auch Prostituierte sollen sich darauf verlassen können, dass der Gesetzgeber ihnen ein sicheres, angstfreies Leben ohne gesellschaftliche Ächtung ermöglichen will”, sagte die stellvertretende Vorsitzende Susanne Kahl-Passoth.

Ungeachtet der derzeitigen Situation haben bereits einige Länder, unter ihnen Deutschland, Prostitution legalisiert. Andere Staaten vertreten das sogenannte Nordische Modell, das die Kunden von Prostitution strafrechtlich verfolgt, aber diejenigen schützt, die in die Prostitution getrieben wurden.

Interview

Deutschlands bekannte Frauenrechtlerin Alice Schwarzer kritisiert den Amnesty-Vorstoß

Wie reagieren Sie auf die Resolution von Amnesty?

Schwarzer: Ich bin schockiert! Denn Amnesty war einmal eine sehr anerkannte Organisation für die Verteidigung der Menschenrechte. Jetzt aber wollen sie sich für die Legalität "der Organisation der Sexarbeit" einsetzen, so wörtlich. Das heißt, dafür, dass Frauenhändler, Zuhälter und Bordellbetreiber unbehelligt ihrem Milliarden-Geschäft nachgehen können. Damit schlägt Amnesty sich auf die Seite der Täter.

Was bedeutet die Empfehlung auf lange Sicht für die Rechte von Frauen?

Schwarzer: Allein in Deutschland haben wir heute Hunderttausende von Frauen, vor allem sehr jungen Frauen, aus Armutsländern, überwiegend Osteuropa. Sie sprechen oft kein Wort Deutsch und werden von denen, die an der Prostitution Milliarden verdienen, als "Frischfleisch" von Bordell zu Bordell, von Modelwohnung zu Modelwohnung verschoben. Ein Signal wie das von Amnesty bestärkt die Frauenhändler und macht den Frauen das Leben noch schwerer. Sie sind es, die unsere Solidarität brauchen! Sie haben Schutz und Hilfe für den Ausstieg bitter nötig.

Welche Konsequenz könnte der neue Kurs aus Ihrer Sicht für Amnestys Ruf und den Zusammenhalt innerhalb der Organisation haben?

Schwarzer: Ich kann nur hoffen, dass dieser skandalöse Beschluss pro Prostitution und gegen Prostituierte auch innerhalb der sich als links verstehenden Organisation noch diskutiert wird. Für mich, die ich lange Anhängerin von Amnesty war, ist es das unrühmliche Ende einer einstigen Menschenrechtsorganisation.

Interview: Lena Klimkeit/DPA

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