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Pressestimmen zur Flüchtlingskrise

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Pressestimmen zur Flüchtlingskrise

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Wir haben einige Kommentare aus europäischen Zeitungen für Sie zusammengestellt, die sich mit der Flüchtlingskrise in Europa befassen.

Die liberale bulgarische Zeitung “Sega” kommentiert:
“Die Ablösung der weltlichen autoritären Regierungen durch islamische Diktaturen sowie das Entflammen ziviler Konflikte machte Staaten wie den Irak, Syrien und Libyen zu chaotischen Kampffeldern wie etwa Somalia – ohne effektive Zentralmacht.. Das Beste, was nun in manchen Staaten nach dem Arabischen Frühling geschehen könnte, ist nicht das Einsetzen einer Demokratie nach westlichem Modell, sondern eine Militärdiktatur vom weltlichen Typ. Doch in Ländern, die bereits außer Kontrolle geraten sind, ist sogar dies schwer erreichbar.
Statt dass westliche Werte in die arabische Welt einzogen, verjagten die Islamisten Massen von Menschen und gelangten selbst in den Westen. (…) In der Selbstzufriedenheit, dass Europa als “sanfte Macht” mit seinen Werten attraktiv für die muslimischen Völker sein wird, hat Europa nicht bemerkt, wie es nicht mit seinen politischen, sondern mit seinen materiellen Werten für sie attraktiv wurde – deswegen wird es auch durch Massen von Wirtschaftsimmigranten gestürmt.”

Die dänische Tageszeitung “Jyllands-Posten” zur schwedische Berichterstattung über den tödlichen Messerangriff bei Ikea, den zwei Flüchtlinge verübt haben sollen:
“Jedes Mal, wenn etwas Kriminelles mit Bezug zu Einwanderung, Asyl oder Integration geschieht, senkt sich das Dunkel über (schwedische) Medien. Alles wird verzerrt, bestimmte Details werden ausgelassen, die entscheidende Frage zur Aufklärung wird einfach nicht gestellt. War es Terror in Västerås? Die Frage wird als irrelevant abgetan. Die Leser werden aktiv von der Wahrheit weggelenkt oder von dem, was alle befürchten. Roma werden zu “EU-Einwanderern”, muslimische Banden zu “Jungen” oder noch anonymer zu “Personen”, wenn nicht gar von “benachteiligten Gruppen” die Rede ist. So gut wie alles, was in Verbindung zu Einwanderung steht, ist empfindlich, gefährlich, wird tabuisiert.”

Die niederländische Zeitung “De Telegraaf” meint:
“Die enorme Anzahl macht es immer weniger möglich, den Zustrom von Flüchtlingen noch in gute Bahnen zu lenken. Das Zeltlager am Kanaltunnel bei Calais ist dafür ein bitteres Beispiel. Es nähert sich der Moment, an dem europäische Regierungspolitiker Zuflucht zu unorthodoxen Lösungen suchen. Dabei zeichnet sich die Möglichkeit eines militärischen Einsatzes in den Grenzgebieten zu Syrien und zum Irak immer deutlicher ab. Für Flüchtlinge ist es meistens am besten, wenn sie nahe an den Brandherden betreut werden können, vor denen sie Schutz suchen. Die internationale Gemeinschaft sollte, zum Beispiel mit Unterstützung der UN und der Nato, in den Grenzregionen einige sichere Häfen durchsetzen. Dort für Betreuung zu sorgen, ist besser, als Zehntausende ziellos durch Europa ziehen zu lassen. Rasche Aktionen sind geboten. Die Zeit des Wegsehens ist vorbei.”

Die belgische Zeitung “De Standaard” kommentiert:
«Griechenland hat kaum noch funktionierende Behörden. Die anderen EU-Staaten warten erstmal tatenlos ab. So kommt es, dass Europa an Orten wie Kos oder Calais die Linderung selbst der dringendsten humanitären Not nichtstaatlichen Organisationen und freiwilligen Helfern überlässt. Das ist erschütternd. Während die Regierungen sich nicht über eine gerechte Verteilung von Asylsuchenden verständigen können, scheint Europa nach der Devise “Hände weg!” zu verfahren.
Jede menschliche Hilfeleistung soll angeblich einen unerwünschten “Nachahmungseffekt” auf umherziehende sogenannte Schwärme haben können. Regierungspolitiker glauben, nicht mehr in humanen Termini über Flüchtlinge sprechen zu müssen. Mangels ausreichender Hilfe laufen viele von ihnen so zerlumpt herum, dass sie allein schon deshalb entmenschlicht wirken. Regierungen wagen es nicht, sich für sie zu engagieren, weil migrationsfeindliche Stimmungen in ihrer jeweiligen Bevölkerung überhandzunehmen drohen.»

Die liberale dänische Tageszeitung “Politiken” schreibt:
“Viele fliehen in Richtung Europa. Sie haben einen legitimen Anspruch auf Schutz und Fürsorge, und die EU hat eine kollektive Verantwortung, sie auf eine ordentliche Weise aufzunehmen. Aber die EU macht nahezu das genaue Gegenteil, indem sie es Griechenland überlässt, den Flüchtlingsstrom selbst zu bewältigen und sich allen Versuchen entzieht, im Sinne einer zusammenhängenden und anständigen Flüchtlings- und Asylbewerberaufnahme für die ganze EU zusammenzuarbeiten. Während ärmere Länder ihre Arme und Häuser Millionen von Notleidenden öffnen, tut Europa alles, um zu vermeiden, ein paar hunderttausend Flüchtlingen Schutz zu bieten.”

Die Turiner Tageszeitung“La Stampa” meint:
“Man kann Deutschland vieles vorwerfen – was in letzter Zeit in Mode gekommen ist -, aber nicht, dass es sich gegenüber den Migranten abschottet oder gefühllos gegenüber den Flüchtlingsdramen ist. Es ist das europäische Land, das in den vergangenen Jahren die meisten Flüchtlinge aufgenommen hat. In Brüssel war Deutschland in den vergangenen Monaten eine der wenigen unterstützenden Stimmen für die von (EU-Kommissionspräsident Jean-Claude) Juncker vorgeschlagene Quotenregelung, die auch Italien befürwortet. Wenn (Bundeskanzlerin) Angela Merkel also heute auf die Notwendigkeit hinweist, gegen die illegalen Einwanderer vom Balkan vorzugehen, ist das keine plötzliche neue deutsche Strenge. Es ist das Läuten einer Alarmglocke. Und Europa würde gut daran tun, es nicht zu ignorieren.”

(Quelle: dpa)