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Korea: Eskaliert der Kalte (Brüder-)Krieg?

Es scheint ruhig an der innerkoreanischen Grenze. Doch dabei rumort es gewaltig, die beiden Staaten haben die Propagandamaschine angeworfen

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Korea: Eskaliert der Kalte (Brüder-)Krieg?

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Es scheint ruhig an der innerkoreanischen Grenze. Doch dabei rumort es gewaltig, die beiden Staaten haben die Propagandamaschine angeworfen. Offiziell wird das Verhältnis zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea, also dem Norden, und der Republik Korea, also dem Süden, noch heute vom Waffenstillstand von 1953 bestimmt, ein Friedensabkommen wurde nach dem Korea-Krieg nicht geschlossen.

Die jüngsten Auseinandersetzungen, vor allem die militärischen, lassen erahnen, auf welch schmalem Grat zwischen Säbelrasseln und einem kriegerischen Konflikt sich die Koreaner hüben wie drüben der Grenze bewegen.

Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye berief eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein. Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un beriet sich mit der Zentralen Militärkommission der Partei der Arbeit.

Im nordkoreanischen Fernsehen sagte ein Sprecher, der Süden habe ohne triftigen Grund Geschosse über die Grenze gefeuert und nannte das eine ‘unentschuldbare’ und ‘schwerwiegende’ Provokation. Das Verteidigungsministerium des Südens wiederum hatte gemeldet, der Norden habe zwei Artilleriegranaten über die Grenze geschossen. Als Warnung habe man das Feuer erwidert.

2004 hatten sich beide Staaten darauf geeinigt, im Grenzgebiet auf Propagandadurchsagen per Lautsprecher zu verzichten, Südkorea brach diese Vereinbarung kürzlich, nachdem man den Norden für die Detonation von Minen und damit für zwei verletzte Soldaten verantwortlich gemacht hatte.

Ein wiederkehrendes Ärgernis sind aus Sicht Nordkoreas die Militärmanöver, die die Streitkräfte des Südens gemeinsam mit der US-Armee regelmäßig in der Region durchführen. Pjöngjang wirft Amerikanern und Südkoreanern vor, eine Invasion zu planen, führt als Reaktion seinerseits Übungen durch und droht unmissverständlich mit militärischen Konsequenzen.

Man habe es mit einem “instabilen, unberechenbaren und provozierenden Nordkorea zu tun”, sagte der ehemalige US-General Ray Odierno einmal.

Nordkorea sieht seine Freiheit und Unabhängigkeit eigenen Angaben zufolge durch ‘Imperialisten und Dominatoren’ bedroht. Formalrechtliches Staatsoberhaupt der Volksrepublik ist als “Ewiger Präsident” übrigens der 1994 verstorbene Kim Il-sung, Großvater und Vorvorgänger von Kim Jong-un. Um seine Macht zu sichern, schreckt der amtierende “Führer von Partei, Volk und Armee” nicht vor Hinrichtungen von engen Mitarbeitern und Familienmitgliedern zurück. Das behauptet zumindest der südkoreanische Geheimdienst.