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Ärzte ohne Grenzen spricht nach US-Luftangriff auf Krankenhaus in Afghanistan von "Kriegsverbrechen"

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) wirft der NATO und den USA vor, bei der Bombardierung eines Krankenhauses im afghanischen Kundus

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Ärzte ohne Grenzen spricht nach US-Luftangriff auf Krankenhaus in Afghanistan von "Kriegsverbrechen"

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Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) wirft der NATO und den USA vor, bei der Bombardierung eines Krankenhauses im afghanischen Kundus möglicherweise ein Kriegsverbrechen begangen zu haben. Das legten die Verlautbarungen der Verantwortlichen nahe, so die Organisation in einer Stellungnahme. Sie fordert nun eine unabhängige Untersuchung.

Bei dem Luftangriff waren 22 Menschen ums Leben gekommen. Die Koordinaten der von der Hilfsorganisation betriebenen medizinischen Einrichtung waren bekannt. In Kundus liefern sich die afghanischen Streitkräfte heftige Gefechte mit den Taliban, seit die Aufständischen vergangene Woche Teile der Region in einer Blitzaktion eroberten. Inzwischen ist die Stadt offenbar wieder weitgehend unter Regierungskontrolle.

Nach internationalem Recht (beispielsweise Art. 27 der Haager Landkriegsordnung) wäre der Angriff auf ein Krankenhaus ohne Zweifel dann ein Kriegsverbrechen, wenn er mutwillig durchgeführt wird und die Einrichtung nicht etwa vom Gegner für militärische Zwecke missbraucht wurde.

Die NATO und die USA kündigten an, den Vorfall untersuchen zu lassen. Die Vereinten Nationen teilten am Montag mit, zunächst die Ergebnisse und den Verlauf dieser Untersuchungen abzuwarten, bevor über eine Untersuchung unter UN-Regie entschieden werde.

Laut dem Kommandeur der internationalen Truppen in Afghanistan, General John Campbell, erfolgte der Angriff auf Bitten der afghanischen Armee.

Bei einer Anhörung im US-Senat sprach Campbell trotzdem von einem Fehler und einer Verantwortung der US-Streitkräfte: “Die Entscheidung für den Luftangriff wurde innerhalb der US-amerikanischen Befehlskette gefällt. Fälschlicherweise wurde ein Krankenhaus beschossen. Wir würden niemals bewusst eine geschützte medizinische Einrichtung angreifen.”

In Brüssel sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg: “Dieser tragische Vorfall und die Getöteten in dem Krankenhaus sind eine sehr ernste Sache. Deshalb ist es wichtig, jetzt alle Fakten auf dem Tisch zu haben. Aus diesem Grund brauchen wir nun eine vollständige Untersuchung.”

US-General Campbell sprach sich angesichts der Sicherheitslage auch für einen längeren Truppenverbleib in Afghanistan aus. Eigentlich sollen alle US-Soldaten bis Ende 2017 abgezogen werden. Präsident Obama hat den Abzug aber schon jetzt verlangsamt.