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Zu früh, zu jung: 14-Jährige auf dem Laufsteg

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Zu früh, zu jung: 14-Jährige auf dem Laufsteg

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Ein Gesicht so jung und glatt, wie ein Backfisch. Und genau das ist die 14-jährige Sofia Mechetner eigentlich. Auf der jüngsten Pariser Modewoche

Ein Gesicht so jung und glatt, wie ein Backfisch. Und genau das ist die 14-jährige Sofia Mechetner eigentlich. Auf der jüngsten Pariser Modewoche lief sie für Dior und entflammte damit wiederum die Diskussion um die Frage, ab wann junge Mädchen ins Model-Geschäft einsteigen sollten.

Sofia Mechetner: “Ich fühle mich reif genug, und ich bin nicht allein, sondern werde von allen Seiten umsorgt. Sie behandeln mich wirklich sehr gut hier. Alles, was ich brauche, wird erledigt, ich werde unterstützt. Dass ich 14 Jahre alt bin, ist wirklich kein Problem.”

Das neue Gesicht von Dior kommt aus Israel. Ihrer alleinerziehenden Mutter arbeitete als Putzfrau, wie die Agentin Rotem Gur erklärt. “Vorher ging sie selber mit ihrer Mutter putzen. Wenn sie alt genug zum Saubermachen ist, warum sollte sie dann für den Catwalk zu jung sein?”

Auch Chanel hat ein neues, gerade mal 16-jähriges Gesicht, diesmal ein Kind berühmter Eltern: Lily-Rose ist die Tochter von Vanessa Paradis und Johnny Depp und wirbt für die neue Brillenkollektion der Marke, entworfen von Kreativdirektor Karl Lagerfeld. “Die Menschen wollen junge Mädchen sehen, weil sie sich damit identifizieren können, auch wenn es nicht dieselbe Altersgruppe ist”, erklärt der Modezar. “Das ist der aktuelle Frauentyp. Und darum geht es nun mal in der Mode. Ich bin ein Opportunist, eine Mode-Opportunist, aber das ist nun mal unser Job.”

Der Appetit auf blutjunge Mädchen ist nicht neu (Kate Moss wurde mit 14 Jahren entdeckt, Naomi Campbell war 15). Auch über ein Mindestalter wird immer wieder diskutiert – und manchmal wird sogar gehandelt. Der Britische Fashion Council etwa verbietet Designern, Models unter 16 Jahren für die Londoner Modewoche zu buchen. In New York herrscht eine ähnliche Regelung.

Carolien Rush, British Fashion Council :“Wir halten das für sehr wichtig, wir arbeiten eng mit den Agenturen zusammen. Wenn ein junges Mädchen zum ersten Mal teilnimmt, wird sie auf jeden Fall begleitet.”

Gegner der frühen Laufstegkarriere warnen, junge Mädchen seien emotional und intellektuell nicht bereit, dem Druck standzuhalten. Andere, wie Designerin Diane von Furstenberg halten Magersucht für ein viel größeres Problem. “Das Wichtigste ist, junge Mädchen nicht dazu anspornen, zu dünn zu sein. So viel zum Thema Gesundheit. Und was das Alter betrifft, sollten wir keine Models unter 16 auf den Laufsteg holen. Vor allem aber sollten wir sie ausreichend ernähren.”

Um gegen Magersucht auf dem Laufsteg zu kämpfen, hat Frankreich ein Verbot untergewichtiger Mannequins beschlossen. Doch viele Modemacher bräuchten die schmalen Models aus praktischen Gründen, wie die Französin Aymeline Valade erklärt.
“Die Modehäuser haben keine Zeit, um die Kleider anzupassen. Auf einem Model mit runden Körperformen fällt der Stoff anders, man bräuchte mindestens einen Tag, um das Outfit anzupassen. Auf einem Model ohne Formen fällt der Stoff sofort richtig.”

Einige große Namen im Modegeschäft haben von sich aus beschlossen, keine Models unter 18 zu engagieren. “Ich glaube, 18 ist das richtige Alter”, bestätigt das Model Neelam Gill. “Ich habe mit 18 angefangen und erinnere mich, das man sich um mich kümmerte, ich hatte einen Exklusivvertrag mit Burberry, ich wurde jeden Tag begleitet. Anders wäre das gar nicht gegangen, ganz alleine um die Welt zu reisen, das hätte ich nicht geschafft.”

Allen guten Absichten zum Trotz ist wohl davon auszugehen, dass blutjunge Models künftig noch stärker zum Laufstegalltag gehören, zumindest solange das der aktuelle Frauentyp ist. Was aus den Mädchen später einmal wird, fragt keiner.