Eilmeldung

Eilmeldung

Per Friendfunding zur Wiesn: Ein Indonesier in Deutschland

Wenn die Münchner Bevölkerung eines momentan zeigt, ist ein großes Maß an Solidarität und Gastfreundschaft gegenüber Flüchtlingen. Doch es braucht keine globale Krise für einige junge Münchner, um das unter Beweis zu stellen.

Sie lesen gerade:

Per Friendfunding zur Wiesn: Ein Indonesier in Deutschland

Schriftgrösse Aa Aa

Let’s get Odin to Oktoberfest! – zunächst hieß so die Idee, doch sehr bald wurde es der Name der Facebook-Gruppe mit der Tobi, Elias und Co. Ihren Kumpel Odin aus Indonesien auf die diesjährige Wiesn holten.

Odin ist 30 und lebt auf Bali ein gemütliches Leben. Vieles dreht sich ums Surfen, ansonsten vermietet er Ferienvillen und Gästezimmer. So hat er auch Tobi und seine anderen deutschen Freunde kennengelernt. Manche haben Auslandssemester auf der Insel verbracht und in einer von Odins Unterbringungen gewohnt. Doch aus einem Mieter-Vermieter Verhältnis ist schnell eine Freundschaft geworden, und Odin hat die Jungs, die teilweise schon mehrere Male auf Bali waren, in das balinesisches Leben integriert. „Wir wollen endlich mal was zurückgeben“, sagt Tobi, als er beschreibt, wie es zu ihrer Aktion gekommen ist. Denn nachdem sie so oft darüber geredet haben, dass es cool wäre, Odin zum Oktoberfest zu nach München zu holen, entschließen die Freunde irgendwann Nägel mit Köpfen machen.

Im Mai gründen sie eine Facebook-Gruppe, in der jeder angeschrieben wird, der Odin kennt – mit ihm auf Bali gefeiert hat oder eine Wohnung von ihm gemietet hat. Auf einem Konto sammeln sie das Geld, dass für Odins Flug nach Deutschland gedacht ist. In kürzester Zeit haben sie eine stolze Summe zusammen. Am 22. Juni dann stehen seine Freunde grinsend vor Skype. „Odin, was hältst du davon zum Oktoberfest zu kommen?“ verhalten sagt der, dass er das gerne würde – da heben sie ihr Bier und lassen die Überraschung platzen: Um den Flug und die Unterbringung in Deutschland muss Odin sich keine Sorgen machen, sie haben für alles gesorgt. Odin kann seine Freunde besuchen kommen und das größte Volksfest der Welt mitfeiern. „Ich dachte sie machen einen Witz, ich konnte nicht glauben, dass mein Traum nach Deutschland zu reisen und sie alle zu sehen wahr werden würde“, erinnert sich Odin.

Ein paar bürokratische Hürden müssen die Freunde noch nehmen, denn Indonesier brauchen einen Bürgen, wenn sie sich in Deutschland aufhalten. Die Reisedokumente kommen wenig vor Reiseantritt an. Und am zweiten Wiesn-Wochenende ist es dann endlich so weit: Odin landet am Sonntag um 7 Uhr morgens auf dem Münchner Flughafen. Von dort geht es gleich zum Weißwurst-Frühstück in die Innenstadt und dann ab in die geliehenen Lederhosn auf ins Oktoberfest-Getümmel.

Bis zum Ende des Monats bleibt Odin noch in Deutschland. Neben München war er schon am Bodensee in Konstanz, auf Schloss Neuschwanstein, Bergsteigen und Snowboarden in den Alpen und natürlich Surfen auf dem Eisbach. So hat er das erste Mal in seinem Leben einen Neoprenanzug getragen, und auch Schnee hatte er vorher noch nie gesehen. Ausflüge unternimmt er jedes Mal mit unterschiedlichen Freunden, die ihm ihr Deutschland zeigen. Und zu guter Letzt fliegen einige der Münchner Jungs noch mit ihm nach Portugal und zeigen ihm, wie das Surfen in Europa so aussieht. Eine besondere Entdeckung wird ihm dort und später zurück auf Bali vielleicht fehlen, Odin ist jetzt nämlich ein großer Fan von Apfelschorle!